Band 
Vierter Band.
Seite
251
JPEG-Download
 

251

Buch XIV. Kap. 2. §. 36.

von der des Huellius. So erfuhr Dioskorides in Zeit von dreiJahren drei von einander unabhängigen Uebersetzungen.

Im Jahr 1528 machte Huellius zuerst den Scribonius Lar-gus bekannt. Doch erschien die Ausgabe erst im folgenden Jahre alsAnhang zu einer gleichfalls von ihm besorgten Ausgabe des Cor-nelius Celsus , Parisiis 1529 in fol., die ich nicht kenne, dieaber nach Choulant wenig Eigenes enthält. Nur ein Jahr spätererschienen von ihm übersetzt Veterinariae me die i na e libri dtio,Parisiis 1530 in fol. Darauf folgte 1536 sein grosses eigenes Werk,worüber ich sogleich sprechen werde; und endlich zwei Jahr nachseinem Tode die Uebersetzung des Joannes Aktuarios demedicamentorum c om p o s i t i o n e, Parisiis 1539 in 8. Anall diesen Uebersetzungen rühmt man die mit Treue verbundeneEleganz der Sprache, daher sein gelehrter Zeitgenosse und Lands-mann Budäus den Huellius den Adler der Uebersetzer nennt.

Aber wichtiger als sie ist sein grosses eignes Werk: de Na-tura stirpium libri III, zuerst, wie behauptet wird, als einMeisterstück typographischer Kunst erschienen Parisiis 1536 infol., mit einer Dedication an König Franz I. von demselben Jahr,dann dreimal wiederholt Basileae 1537, 1543 und 1575 in fol., undeinmal Venetiis 1538 in zwei Abtheilungen in Octav , von denendie erste das erste „ die andre die beiden letzten Bücher enthält.Ich besitze nur die baseier Ausgabe von 1537. — Das ist nachTheophrastos, nach also 1700 Jahren, der erste Versuch einer voll-ständigen Naturgeschichte der Pflanzen, und schon des-halb unsrer vollen Anerkennung werth. Es liegt in der Natursolcher Werke, dass sie grösstentheils compilirt sein müssen; dennwer darf sich rühmen eine ganze "Wissenschaft selbst gemacht zuhaben? Ruellius excerpirte seine Vorgänger von Theophrastosherab bis auf Hermolaus Barbaras, und verwebte, was er ihnenentlehnte, mit dem, was er selbst hinzufügte, so geschickt, dassder Leser beides oft gar nicht unterscheiden kann; denn nicht anjeder Stelle citirt er den wahren Verfasser, wiewohl er im Allge-meinen anerkennt, wie viel er jedem seiner Vorgänger verdankt.Das ist das grosse Verbrechen, was man ihm nie verziehen hat.