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Buch XV. Kap. 1. §. 41.
rum medicorum, Heidelbergae 1620 in 8. pag. 22 sq. eine kurzeBiographie Otto’s enthalten, woraus alle spätem Biographen ihreNachrichten über Otto schöpften.
Eines einfachen Böttichers Sohn vom Schlosse Brunfels beiMainz , ward er, wir wissen nicht in welchem Jahre, doch ver-muthlich kurz vor 1500 zu Mainz geboren, empfing daselbst einengelehrten Unterricht und erwarb sich den Grad eines Magistersder freien Künste. Jetzt trat eine Unterbrechung seiner Studienein, denn als er sich darauf zum Studium der Theologie wendenwollte, fehlten seinem Vater die dazu nöthigen Geldmittel, undder Sohn, des langen Wartens müde, trat gegen des Vaters Wunschals Mönch in die bei Mainz gelegene Karthause. Doch bald, ichvermuthe nach Verlauf von drei bis vier Jahren, bereuete er denübereilten Schritt; das ungewohnte harte Leben im Kloster unter-grub seine Gesundheit, und was noch schlimmer für ihn, das Be-kanntwerden mit dem Protestantismus entfremdete ihn der katho-lischen Kirchenlehre. Er entfloh aus der Karthause, ging nachStrassburg und schickte sich an das Evangelium zu predigen, alsihn ein Halsleiden der Stimme beraubte. In dieser Noth entschlosser sich zu Strassburg eine Schule zu eröffnen, und fand als Päda-goge so viel Beifall und Vertrauen, dass er ausser seinem Lebens-unterhalt in den neun Jahren seines Schulamtes noch eine hin-reichende Summe zur Erwerbung der medicinischen Doctorwiirdeerübrigen konnte. Wann er von der Theologie zur Medicin über-gegangen, wissen wir nicht. Nach Adam beschäftigte er sich zuStrassburg in seinen Nebenstunden eifrigst mit den griechischenund arabischen Aerzten, und promovirte darauf sogleich ohne wei-tere akademische Vorbereitung im Jahr 1530 zu Basel . Seinezahlreichen protestantisch theologischen Schriften, welche Konrad Gesner in seiner Bibliotheca universalis aufzählt, scheinen aber zubeweisen, dass er auch zu Strassburg noch mehrere Jahre derTheologie treu geblieben. Kaum glaublich erscheint auch derunmittelbare Uebergang vom Lehramt zur medicinischen Promo-tion, ohne alles Universitätsstudium. Doch wie dem sei, nach derPromotion nach Strassburg zurückgekehrt, erwarb er sich als Arzt