Band 
Vierter Band.
Seite
301
JPEG-Download
 

Buch XV. Kap. 1. §. 41. 301

Nomenclatur durch die trefflichen Abbildungen leicht be-richtigen.

Auf ihnen beruht des Werkes uranfänglicher und dauernderWerth. Nur etwa ein Dutzend Abbildungen gegen das Ende desdritten Theils, kaum zwei Zoll hoch, verrathen durch ihre Klein-heit und unsichere Zeichnung die Hand eines andern Künstlers,der wohl erst nach Otto’s Tode einige Lücken ausfüllte. Einigeandre, wie die zweimal vorkommende der Eberwurz, scheinen nachZeichnungen gefertigt zu sein, welche Otto, ich weiss nicht woher,erhalten hatte; denn er gesteht die Pflanzen selbst niemals gesehenzu haben. Die grosse Mehrzahl der Abbildungen schreibt dieNatur in einfachen sichern Umrissen so treu ab, dass sie sich garnicht verkennen lässt. Mit Recht nennt Brunfels daher sein ganzesWerk Herbarum vivae eicones; denn die Bilder, nicht derText, sind die Hauptsache; und in der Zueignung des erstenTheils an den strassburger Senat sagt er: „Ceterum de herbariinostri ratione hoc velut in compendio habitote: primum nihil aliudnos spectasse in toto hoc opere, quam ut publico omnium bonoherbariae jamjam collapsae porrigeremus subsidiarias manus, eam-que prope extinctam in lucem revocaremus. Quod quia non aliaratione fieri posse animadvertimus, quam abolitis prioribus ac vete-ribus herbariis, atque de novo vivis et acupictis imaginibuseditis, deinde solidis ac firmis descriptionibus ex priscis et auten-ticis authoribus prolatis: utrumque tentavimus atque curavimus.“So richtig fühlte er die eine Hälfte des Bedürfnisses der Zeit, undhalf ihm ab. Sein Werk würde noch weit mehr Epoche gemachthaben, hätte er auch des Bedürfnisses andre Hälfte erkannt, denneuen Bildern neue Beschreibungen hinzugefügt, und wäre ihmgelungen, die Natur mit Worten so treu wiederzugeben, wie dasmit dem Griffel seinem Zeichner Johann Weyditz gelang.

Seltenheiten muss man freilich bei Brunfels noch nicht erwarten.Es sind, abgesehen von einigen gewöhnlichen cultivirten und einigenihm von auswärts mitgetheilten Pflanzen, unterandern auch des Harzes,die gemeinen Pflanzen des linken Rh ein ufers und derGegend um Strassburg , damals noch einer ächt deutschen