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Buch XV. Kap. 6. §. 67.
§. 67.
Leonhard Th urneiss er zum Thurn.
Fanden wir bei Carrichter nur wissenschaftliche Verirrung undBeschränktheit, so begegnen wir in Th urneiss er, einem dererklärtesten Anhänger des Paracelsus, wieder einem entschiedenenTalent, aber zugleich der baarsten Gaunerei. Der grundgelehrteMoehsen hat sein Leben in den Beiträgen zur Geschichte derWissenschaften in der Mark Brandenburg (Berlin und Leipzig 1783 in 4.) mit Benutzung archivalischer Nachrichten aufs sorg-fältigste beschrieben, ihn mit grosser Unparteilichkeit gegen viel-fache Beschuldigungen seiner Feinde gründlich vertheidigt, seineunleugbaren Vergehen und Verbrechen wenigstens zu entschuldigenversucht, und gleichwohl gehört das Bild, welches er aufstellt, zuden widerwärtigsten der ganzen Literargeschichte.
Leonhard Th urneiss er zum Thurn, geboren zu Basel 1530, der Sohn eines Goldschmidts daselbst, erlernte des VatersGewerbe in seiner Ileimath, und half während der Lehrjahre einemdortigen Arzt Pflanzen sammeln, Arzneien bereiten, und las ihmzuweilen vor aus den Schriften des Paracelsus, bis er 1548 einigeJuden, die ihn betrogen hatten, durch ein vergoldetes Stück Blei,was er für Geld verkaufte, wieder betrog, und landflüchtig werdenmusste. Schon seit seinem sechzehnten Jahr war er verheirathet,ward aber bald nach seiner Flucht geschieden. Er ging nach Eng-land, das Jahr darauf nach Frankreich, kam dann nach Deutsch-land , Hess sich 1552 als Schütze bei der Armee des MarkgrafenAlbrecht von Brandenburg anwerben, gerieth 1553 in Gefangen-schaft, und arbeitete einige Jahre auf verschiedenen Berg- undHüttenwerken, bis er, nach seiner zweiten Verheirathung im Jahr1558 zu einigem Wohlstand gekommen, zu Tarenz im obern Inn-thal auf eigne Rechnung eine Schwefelhütte anlegte, und mit solchemErfolg betrieb, das Gelehrte und Vornehme aufmerksam auf ihn wurden.Graf Ladislaus von Ilag gab ihm die Aufsicht über seine Bergwerke,und Erzherzog Ferdiand, des Kaisers Sohn, liess ihn zur Erweiterung