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1 (1798) Schilderung des Gebirgsvolkes vom Kanton Appenzell / von Joh. Gottfried Ebel
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107
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den Bodenſee zu 7 8oo und uͤber das Meer zu 2000 fran-zoͤſiſche Fuß annehmen kann. Der Reaumuͤrſche Thermome-ter, welcher an der noͤrdlichen Seite eines Hauſes im Schat-ten hangt ſteigt im Sommer hoͤchſtens auf 23 Grad, und imWinter erhebt er ſich nie uͤber 8 Grad unter dem Gefrier-punkt. Es giebt zwar wenige Gaͤrten und Obſtbaͤume indem ganzen Inne roodenz indeß gehort die Schuld weni-ger dem Klima, als dem Mangel des Fleißes und der Sorg-falt. Obgleich alle Gartenfruͤchte einen Monat ſpaͤter als imRheinthal und zu St. Gallen gedeihen, ſo kommt demohngeachtet alles ſo gut als anderwaͤrts fort, wenn derGartuer damit umzugehen weiß. Alle Baͤume welche fruͤhblühen, leiden von Nachtfroͤſten, die im Kanton Appen zell viel ſpäter einfallen, als zwei, drei Stunden davonim dem tiefer und ſuͤdwaͤrts gelegnen Rheinthal; dasErfrieren der Bluͤthen iſt die Haupturſache, welche vomBaumpflanzen abſchreckt; indeſſen genießt doch ſeder, derSorgfalt auf die Kultur der Obſtbaͤume verwendet, dieFreude ihres Fortkommens und ihrer Fruͤchte. An denHaͤuſern zu Appenzell ſahe ich die beßten Arten Spalier-bäume. Bei dem Dorfe Haßlen, welches an der Sit-ter eine ſtarke Stunde unterhalb des Fleckens Appenzellliegt, fand ich den 11 May eine große Menge ſchoͤnerKirſchbaͤume in voller Bluͤthe. Wenn manche Baum undGaͤrtenfruͤchte nicht ſo gut fortkommen, wie im Thur:gau und Rheinthal, ſo werden andere dafur hierſchmackhafter als dort. Es waͤchſt in Innerdodeneine Art ſchwarzer Kirſchen, welche ganz vorzüglich gut iſt;das Kirſchwaſſer und das Kirſchmuß(katwerge, wie esdie Schweitzer heißen) welches in der Gemeinde Ha ß-len bereitet wird, gehoren vielleicht zu den beßten, welchein der Schwei tz zu haben ſind; das haßler Kirſchwaſſer

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