Buch 
1 (1798) Schilderung des Gebirgsvolkes vom Kanton Appenzell / von Joh. Gottfried Ebel
Entstehung
Seite
139
JPEG-Download
 

139

Hochgebirge an, wo hin und wieder ganze Doͤrfchen vonSennhuͤtten zuſammenſtehen. Da eine Weide gewohnlichnur einer Seute Kuͤhe Nahrung giebt, ſo ſtehet in jederauch nicht mehr als eine Sennhuͤtte; bei jeder Weidewaͤchſt etwas Holz, weiches fuͤr das Beduͤrfnis des Aelp-lers zur Kaſekochung hinreichend iſt. Beim Kauf von Alpen oder Weiden nimmt man Ruͤckſicht, ob ſie viel Wal-dung haben, ob ſie gut gelegen d. h. nemlich, ob ſie nicht zuweit entfernt ſind, und ob ihre Lage ſo beſchaffen ſei, daßdas Vieh wenige Gefahren laͤuft, und ob nicht fruͤh undſchnell Schnee einfaͤllt. Unter dieſen letzten Bedingungen ko-ſtet eine Weide oder Alpe , auf welcher zwanzig Stuͤck Kuͤheuͤberſommert werden koͤnnen, 2800 Gulden, falls nichtetwa ein anſehnlicher Wald dazu gehoͤrt, wodurch alsdannihr Werth erhoͤhet wird. Das Alpeigenthum, welches ei-ner Kuh den ganzen Sommer Futter giebt, betraͤgt alſoein Kapital von 140 Gulden.

Nicht alle Landleute, welche Matten, Weiden undAlpen beſitzen, treiben ſelbſt die Alpen - und Sennwirthſchaft.Sie verpachten jeden Sommer ihre Alpen und Weiden ,bewahren das auf ihren Wieſen geerndtete Heu auf, undverkaufen es zur theuerſten Zeit. Der Heubefitzer, undder Senn welcher Heu braucht, ſuchen ſich gegen Endedes Winters, wo das Futter am meiſten gilt, zu uͤberli-ſten, und jeder feinen Vortheil zu erringen. Der erſterepelzt ſich ein, wenn der Fruͤhling naht, und zeigt auf al-le Art noch den Winter und das ſpaͤte Fruͤhjahr; der andere geht in bloßem Hemd, mit offener Bruſt, aufgerolten Hemdaͤrmeln, wundert ſich uͤber Waͤrme der ue undkuͤndigt ein fruͤhes Jahr an.

Nach