her ͤͤußerſt ſelten Thraͤnen fließen; im Gegentheil, manfreut ſich, alle Welt gratuliert, und es heißt:„Du haſtnun einen Engel im Himmel.“ An dem Tage der Beer—digung des Kindes gehen die Eltern mit den Pathen insWirthshaus, und thun ſich guͤtlich. Der AppenzellerInneroodens wird nicht eher wahre Vernunftunab-haͤngigkeit,— die reine Quelle der Moralitaͤt und die ein-zige Stuͤtze der politiſchen Freiheit,— und alle darausfließende wohlthaͤtige Folgen genießen, als bis er alle Ka-puziner aus dem Lande gewieſen, und ſeinen Beduͤrfniſſenangemeßne Unterrichtsanſtalten gegruͤndet haben wird.
Alle Inneroͤdner, ſowohl Maͤnner, als Weiber,Maͤdchen, Kinder, Knechte und Herren dutzen ſich untereinander. Die erſten Landshaͤupter, deren Kinder, wennman ihnen gewogen iſt, und die Fremden, werden mitIhr angeredet, doch wird auch bisweilen der kandam—mann ſelbſt du genannt.
Der Schwur der Betheurung der Appenzeller iſt:Pfalterbeten; ein Pfalter bedeutet drei Roſen—kraͤnze. Dieſer Ausdruck ſagt alſo: Ich will den Roſen—kranz dreimal beten, wenn meine Worte nicht wahr ſind.
Weihnachten iſt unter allen Feſten das erfreulichſte fuͤr
Alt und Jung; der heilige Nikolaus(in den proteſtan-tiſchen Ländern Deutſchlands heißt er der HeiligeCh riſt) ſtreuet in dieſen Tagen das Fuͤllhorn ſeiner Ge-ſchenke uͤber das ganze Land aus. Dieſe Beſcheerungsſitteiſt ſo allgemein, daß ſich alle Welt unter einander mitPfefferkuchen, Backwerk und dergleichen Eßwaaren Ge—ſchenke macht, und derfenige, welcher von andern keine214 erhaͤlt/