4go I. Ordn. V. Gatt. 38. Schleier-Kau tz.
zu dämmern anfing, spielend aus und ein, lies, bald im Schlauge selbst, bald dicht vor demselben, seine fatale Nachtmusik, fastununterbrochen, erschallen, und — keine Taube rührte sich. Stiegman am Tage leise auf den Schlag, so sahe man die Eulen ru-hig aus einer Stange oder in einem Winkel, vertraulich mittenunter den Tauben, sitzen und schlafen, und nicht selten nebensich einen Haufen Mäuse (meist die Wasserspitzmaus)liegen; denn sie tragen sich, wenn sie eine glückliche Jagdmachen und vielleicht auch' eine Dorempsindung von üblerWitterung fühlen, solche Vorrathe zusammen, damit sie beizu finstern und stürmischen Nachten, wo sie nicht jagen können,nicht Hunger leiden dürfen. Mein Vater fing sogar einmal einedieser Eulen, welche in so tiefen Schlaf versunken war,'daß siedurch das Geprassel der fliehenden Tauben nicht geweckt wurde,mit den Handen. — Daß sie Eier fressen sollen, ist mir ebenso unwahrscheinlich, ob es gleich von manchem behauptet wird,und mir sogar einmal jemand erzählte, daß eine Schleiereulemit einem Hühnerei in den Klauen im Fluge herab geschossenworden sei- Das Vorurtheil spricht nur gar zu oft gegen dieunschuldigen Eulen, und so darf man nicht alles glauben, was ih-nen oft nur der Haß nachredet. — Wie oben erwähnt, sahe ichnicht allein auf meinem Taubenschlage nie etwas Uibles von ih-nen, sondern ich führte auch meine gezähmten Schleiereulen mitganzen und angeknickten Hühner- und andern Vögeleiern oft inVersuchung; allein sie ließen sie stets unberührt.— Kleine Vo-gel greifen sie indes im Schlafe an; denn in den Städten würgensie nicht selten die in Vogelbauern vor den Fenstern HangendenLerchen, Nachtigallen, Finken, Drosseln und dergl.; auch die ge-fangenen Vogel holen sie zu'weileinaus den Dohnen und Schlin-ge» der nahen Dohnenstege. — Manche Individuen sind sehrsanft, andere wieder raubgierig. Einer meiner Bekannten er-hielt einmal einen Schleierkautz, welcher ohngefähr seit acht Ta-gen in der Gefangenschaft war, setzte ihn in seine stockfinstereStube und eilte schnell ein Licht zu holen. Hierüber verfloß kaumeine Minute, und doch sahe er, zu feinem Aerger, als er mit demLicht in die Stube trat, daß die Eule bereits seinen Liebling, eineMönchgrasemücke, hinter dem Ofen von ihrem Sitze geholt,getödtet und bereits halb aufgefressen hatte. Diese Eule fraß öf-ters fünfzehn Feldmäuse in einer Nacht. Auch Aas verschmähet, inden Zeiten der Noth, der Schleierkautz nicht. —