46d IV. Ordn. XXVIII. G. 148. Haussperling.
die reisen Erbsen mit Begierde Herausklauben und verzehren. —Nahet die Kirschreife, so gehen sie nach diesen Früchten, und sindam begierigsten nach den frühesten und weichsten Sorten, weil sienur das Fleisch derselben genießen, die Kerne aber hängen lassen,weshalb sie die sogenannten Knorpelkirschen am wenigsten ach-ten. Giebt es erst reifendes Getraide, so machen sich die meistenaufs Feld und fallen heerdenweis in jenes, besonders an solchen Rän-dern der Ackerstücken, wo einzelne Baume darneben stehen, oderwo es nahes Gebüsch giebt, in welche sie sich immer flüchtenkönnen, wenn sie in ihrer Arbeit gestöhrt werden. Sie suchen be-sonders die so gelegenen Waitzen- und Gerstenäcker heim, wenndiese Getraidearten noch weiche Körner haben und das Mehl die-ser noch einer dicken Milch gleicht; solch in der Milch stehendesGetraide gehört zu ihren Leckerbissen. In den Aeckern mit Scho-ten und andern Hülsenfrüchten, auf dem Felde, suchen sie bloßInsekten. — Um diese Zeit sind nur noch Alte und eben ausge-flogene Junge in den Garten , wo sie von den Kirschen auchzu den Weinbeeren, zu den Apricosen, Pflaumen, Johannisbee-ren, und andern Leckereien übergehen, auch mancherlei nützlicheSämereien verzehren. — Im Herbste liegen sie schaarenweis inden Stoppelfeldern unfern der Dörfer und nähren sich von Sä-mereien aller Art, in den Gärten aber vielfältig von schwarzenHohlunderbeeren; so kommen sie, sobald der Winter beginnt,allmählig ganz wieder in die alten Wohnsitze zurück und nährensich hier auf dem Miste, vor den Scheunen und auf den Stra-ßen ebenfalls von lauter Körnern, und fressen mit dem Haus-geflügel auf dessen Futterplätzen auch gekochte Kartoffeln, Brodund Käse. — Nach weißen Käse gehen sie den ganzen Sommergern und suchen überall die Lücken in den Käsekörben, oder be-mühen sich, an die Gitter angeklammert, den zunächst liegendenKäse herauszupicken, wo es irgend gehen will.
Im Winter, wenn das Futter knapp ist, sind sie gleich da,wenn ein Pferd seine Exkremente fallen läßt, um die unverdauc-ten Körner daraus hervor zu suchen, was Veranlassung zu einembekannten Sprichwort gegeben hat.
Alle Sämereien hülsen sie zuvor und genießen nur denKern; das Fleisch der Kirschen, Pflaumen u. a m. genießen siein kleinen Portionen, und nehmen jederzeit die wohlschmcckenstenund reifsten Früchte in Beschlag; Hohlunderbeeren zerbeißen sie,weil ihnen vermuthlich die Kerne lieber sind als das Uebrige;