328 V. Ordn. XXX. Gatt. 169. Mittel-Specht.
solche Anhänglichkeit verrathen, daß im Winter selten ein Mittel-specht allein und ohne mehrere von diesen Vögeln im Gefolge zuhaben, herumstreicht; sie ziehen ihm nach, ob ihm gleich an ihrerGesellschaft nichts zu liegen scheint.
Ob er gleich sehr unruhig ist, so kann man ihn doch eigentlichnicht scheu nennen; er ist dies nicht mehr und nicht weniger, als derRothspecht, und in der Begattungszeit oft sogar sehr unvorsich-tig. Auf der Erde hüpft er mit stark gebognen Fersen, doch nichtsehr schwerfällig; allein im Klettern an den Baumschaften ist er un-gemein gewandt, so daß er hierin von keinem andern einheimischenSpecht übertroffen wird. Er hämmert und pocht auch sehr viel anden Bäumen, macht sich dadurch bald bemerklich und laßt sich durchnachgeahmtes Pochen leicht herbeilocken. Auch an den Aesten hüpfter sehr geschickt hinan, selbst wenn sie nicht sehr stark sind, klettertoft bis in die Spitzen derselben hinaus, sitzt aber auch häufig, wieandere Vogel, in der Quere auf denselben, zumal auf den Wipfelnder Bäume, von wo er gewöhnlich auch seine fröhliche Stimme er-schallen läßt. — Sein Flug ist schnurrend und in einer großenWogenlinie, wenn er weit geht, wie beim Rothspecht, dochfliegt er leichter und schneller noch als dieser, und sieht auch flie-gend etwas schlanker aus.
Seine Stimme ist der der eben genannten Art ebenfalls sehrähnlich, aber für den Geübten doch kenntlich genug, indem seinKick oder Kjick immer einen etwas höhern Ton hat, und weiler diese Sylbe fast nie einzeln hören läßt, wenigstens sitzend nicht.Immer folgt es mehrmals hastig auf einander, wie kick kick kickkick, oder ganz hastig kickickickick u. s.w. Zuweilen klingt esfast wie kjäck kjäck kjäck u. s. w. Im Frühjahr schreien dieMittelspechte besonders viel/ dann setzt sich das Männchen oft aufdie Spitze eines hohen Baumes, wiederholt die Sylbe Kick un-zählige Mal und gegen den Schluß gewöhnlich so schnell nach einan-der, daß man es ein Schäckern nennen möchte. Es lockt damitsein Weibchen herbei; aber auch andere Männchen scheint es damitzum Kampfe aufzufordern; denn nicht selten sieht man bald daraufein anderes mit dem erstem in dem heftigsten Streit, sich von einemBaum zum andern jagen und auf den Aesten entlang sich verfolgen,auch wol einander wirklich zausen, aber wenn sie des Jagens müdewerden, sich auch nahe neben einander an einen Baum hängen undgewaltig schreien; dies Geschrei ist dann ein kreischendes G eg u äk,jenem ganz unähnlich. Hierbei sträuben sie die schön gefärbten