V.Ordn. XXXI. Gatt. 172. Grauer Wendehals. Z65
da selbst der oft gehörte Paarungsruf des Männchens nur heiserklingt und auf weniger als tausend Schritt Weite nicht mehr ver-nehmbar ist. Er ähnelt dem Gäth gath gath u. s. w. desLerchenfalken, klingt aber viel schwacher, eigentlich wie weidweid weid weid weid weid u. s. f. Wenn zwei Männchenmit einander zanken, d. h. einander gegenüber, jedes auf einem be-sondern Baume oder Zweige sitzend, Geberden schneiden, modulirensie diesen Ruf auf mancherlei Weise; das eine schreiet z. B. seinweid weid weid so laut es nur kann, wobei es sich sehr an-strengt, wahrend daS andere nur leise oder ganz heiser wad wadwäd wäd wäd, auch schneller watwatwät, ruft, womit siedann lange Zeit abwechseln. Die einzelnen Sylben des erstern habenÄhnlichkeit mit dem Worte: Weib, weshalb unser Landmannspricht: „Der Specht (so meint er) ruft sein Weib, nun wird'sSommer." Denn man hört diesen Frühlingsruf des männlichenWendehalses sogleich bei seiner Ankunft in unsern Gegenden, undwird freudig überrascht, wenn man ihn an einem, heitern Früh-lingsmorgen zum ersten Mal vernimmt, wo Tags vorher noch kei-ner ertönte, so wie der Ruf des Kuckucks, des Wiedehopfsu. a. m. zum ersten Mal im Jahr gehört, stets einen angenehmenEindruck auf das Gemüth macht. Im Anfange ruft er sehr eifrigdie Sylbe Weid wol zwölf bis zwanzig Mal ziemlich schnell nacheinander und macht nur kurze Pausen zwischen den Strophen; sitztdabei meistens auf einem dürren Aestchen, oft etwas hoch und ziem-lich frei, mit starker Bewegung des aufgesperrten Schnabels und deraufgeblasenen Kehle, welche sich auch dem ganzen Körper mittheilt,> übrigens aber ganz still; und wenn er sich hier eine gute Weile hathören lassen, fliegt er oft weit weg, auf eine andere Stelle, undtreibt sich so in einem nicht gar großen Bezirk den ganzen Tag her-um. Nachher, wenn er erst ein Weibchen gefunden und sich einBrüteplätzchen gewählt hat, läßt er sich nicht mehr so anhaltend,und meistens nur in den Morgenstunden hören; dann verhallt auchsein einförmiger Ruf unter den tausendstimmigen bessern Gesängenum ihn lebender Singvögel. Wenn er erst Junge hat, hört er ganzauf zu rufen. — Sonst haben beide Geschlechter nur ganz heiserekurze Töne, die man nur in der Nähe vernimmt, und ein Angstge-schrei, was sich durch die Sylbe Scheck (kurz abgebrochen) versinn-lichen läßt, und nach Maßgabe der Ursache oftmals und schnell odereinzeln und langsamer nach einander wiederholt wird. Es klingtfast wie von einem Würger, aber schwächer und heiserer. Bei