Band 
Siebenter Theil.
Seite
26
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26 Xt. Ordn. XXXXVIS. Gatt. 202. Groß-Trappe.

Wenn man, der Angabe mancher Schriftsteller vertrauend,glauben wollte, der Trappe habe einen sehr schlechten und so schwer-fälligen Flug, daß er vor dem Aufschwingen erst einen langen An-lauf nähme, und sich dessen ungeachtet nur langsam und erst nach vie-lem Kraftaufwande zum Fluge erhöbe, daß er darüber sogar durchrasche Hunde ereilt werden könne, würde man sich gewaltig irren.Dies ist eben so völlig ungegründet, als daß der Trappe nur seltenund nie weit fliege, fast immer bloß laufe und hierbei seine Flügelzu Hülfe nähme. — Wir wissen vielmehr ganz gewiß, daß erdies Letztere nie thut, überhaupt sehr selten läuft, sondern fast im-mer nur langsam geht oder ganz gemächlich einherschreitet; daß erferner gern und in manchen Zeiten viel fliegt, und daß ihm dasFliegen gar nicht schwer wird. — Mit zwei bis drei raschen Sprün-gen ist unser Großtrappe schon in der Luft und fliegt, wegen seineseigenthümlichen Gewichts, zwar nicht eigentlich schnell, doch ohnesonderliche Anstrengung, so gut wie mancher andere Vogel, z. B.ein Schwan, ja er erhebt sich, schon seiner höhern Beine wegen,noch mit weit mehr Leichtigkeit als dieser. In wenigen Augenblik-ken hat sich eine ganze Schaar in die Luft erhoben und schwingtsich mit langsamen, nicht weit ausholenden, etwas sausenden Flü-gelschlägen schnell genug fürbaß. Dieser Flug fördert in der Thatso sehr, daß ihm z. B. eine Krähe nur mit äußerster Anstrengungzu folgen vermag.

Im Fluge streckt der Trappe Hals und Beine gerade von sichund der schwere Rumpf senkt sich hinterwärts etwas unter die Ho-rizontallinie. Dies Letztere macht ihn von Weitem kenntlich undunterscheidet ihn von einer fliegenden wilden Gans, so daß erdarin eher einer zahmen Gans ähnelt, bei welcher sich auch, wiebei ihm, die Spitzen der großen Schwingfedern im Fliegen vorn et-was in die Höhe biegen. — Gewöhnlich fliegt er zwar nicht hochund immer in gerader Linie fort, und beschreibt auch beim Umwen-den meistens einen großen Bogen; aber er hebt sich auch mit sicht-licher Angst und Eile, wenn er über Bäume und andere ihm ver-dächtige Gegenstände weg muß, streicht dann in solcher Höhe fortund beweist zuweilen, daß er auch sehr hoch fliegen, sogar allerleiSchwenkungen machen kann, wie man in der Begatrungszeit nichtselten sieht. Beschwerlich ist ihm beim Fliegen zu starker Mind-er sucht dann gegen ihn zu fliegen oder ihm wenigstens eine Seiteabzugewinnen. Eine Gesellschaft Trappen fliegt nie sehr dicht bei-sammen, sondern jedes Glied derselben entfernt neben und hinter