XII. Ordn. L. Gatt. 213. Gemeiner Kibitz. 287
und gewöhnlich schreiend, wie dies auch das Weibchen immer thut;kaum hat man sich aber wieder entfernt, so beginnt auch das Männ-chen schon wieder sein fröhliches Gaukelspiel. Der gedehnte Schluß-ton in jenem Gesänge ist der lauteste, daher hört man in bedeu-tender Ferne oft nur dieses Quiken deutlich, was sich ganz son-derbar ausnimmt. — Nach der Fortpflanzungszeit, bis zum näch-sten Frühjahre hört und sssht man jenen Gesang und jene mit ihmvergesellschafteten Gaukeleien niemals mehr, das übermüthige, tolleWesen ist in ein sanftes Betragen übergegangen und beide Gattengleichen einander hierin vollkommen wieder. Jetzt fliegen dicKibitzeauch viel weniger als in jener Zeit.
Der Kibitz gewöhnt sich, wenn er nicht fortfliegen kann, baldan die Gefangenschaft, selbst alt eingefangen; die Zungen werdenaber besonders sehr zahm und zutraulich, gegen alle Stubengenofsen,selbst gegen Hunde und Katzen. Ihrem Pfleger nehmen sie dasFutter aus der Hand, und betragen sich sanft, artig, haben über-haupt sehr empfehlenswerthe Eigenschaften, und belästigen durchihr Schreien fast gar nicht. Flügellahme oder sonst am Fortfliegenverhinderte Kibitze setzt man in manchen Gegenden gern in die Gär-ten, weil sie da durch Wegfangen von Insekten und Gewürm Nutzenstiften sollen; gewöhnlich werden jedoch solche Unglückliche bald eineBeute der Katzen und Marder.
Nahrung.
G,
Eine Hauptnahrung unsres Kibitzes sind Regenwurmer, wonacher besonders des Nachts und am frühen Morgen, wenn diese aufder Oberfläche der Erde erscheinen, die Rasenplätze absucht, sie aberauch auf glatten Brachfeldern, die etwas feucht sind, in Mengefindet. Nächst diesen sind Insektenlarven von vielerlei Arten, diesich auf Viehtriften, feuchten Wiesen, im Sumpfe und Schlammeund in morastigem Wasser selbst aufhalten, seine liebste Speise.Uiberall sieht man ihn etwas aufheben und verschlucken, sowol auftrockenem wie auf nassem Boden, und er wadet darnach sogar bisan die Fersen im seichten Wasser herum, oder bohrt in den weichenSchlamm kleine Löcher, um jene daraus hervorzuziehen. Er ver-schluckt auch viele ganz kleine Wafferschnecken mit Gehäusen, genießtaber namentlich die kleine graue Ackerschnecke ohne Gehäuse (IZmax,^re8t,8 8. viuerea), die er auf feuchten Aeckern in Menge findetsehr häufig.