CAP. IX.
üeber die Thalbildung und die Formender Gebirgszüge in den Alpen.
Verschiedene Ansichten übpr die Thalbildung im allgemeinen. Muldenformen in den Ilochalpen.Ihre Bedeutung für die gesummte Thalbildung. Querthäler. Das Oetzlhal. Mölllhal. Fusch - Gasleiner-Thal.1.’an g e n l h ä 1 e r. Drau- und Bienztltal. Allgemeiner Character. Verengerungen »Klausen «; Thore oder Pforten.Sccundäre Querthäler. Kleinere Mulden und Einsenkungen an den Abhängen der Kämme. Thälcr derKalkalpeu. Isarlhal. Formen der Gebirgszüge. Regelmässigkeit der Erhebung. Zusammenhang milderHöhe der Thalsohlen. Verhultniss der mittleren Kamm-und Gipfelhöhen. Masse der Alpen . Berge und Gipfel. Ur-sachen der gegenwärtigen Formen der Thäler und Gebirgszüge.
Indem wir einige specielle Untersuchungen Uber die Thalbildung und die Formender Gebirgszüge anstellten, war es stets unser Bestreben dadurch einige Anlialtspuncte fürdie Beurtheilung der Ursachen zu gewinnen, welche die Entstehung dieser äusseren Formenbedingen konnten. Ausser dem Interesse in geologischer Beziehung waren diese Unter-suchungen auch noch für unsere übrigen physicalischen Arbeiten von Wichtigkeit. DieTemperatur, die Vegetation, überhaupt das ganze Klima eines Gebirges hängen innigdamit zusammen, ob solches ein massiges, hoch erhobenes Plateau bildet und von weni-gen Thalfurchen durchschnitten wird; oder ob es, wie die Alpen , aus einer Reihe von steilaufgerichleten, schmalen Gipfeln besteht, zwischen denen sich nach allen Richtungen weit-geöffnete Thäler hinziehen.
Die Thäler wurden bisweilen beinahe ausschliesslich als die Wirkungen von Wasser,oder von heftigen Strömungen angesehen, bald suchte man, besonders in neuerer Zeit, tieferliegende Ursachen in der Schichtenstellung. Die erstere Ansicht war früher die herr-schende. Bouguet und Buffon 1 ) glaubten sogar, dass in den meisten Thälern die aussprin-genden Winkel der einen Seite den einspringenden des entgegengesetzten Thalgehängesentsprechen, und alle Thäler in schlangenartigen Windungen durch submarine Strömungen
! Theorie de la terre. 1749.