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Untersuchungen über die physicalische Geographie der Alpen : in ihren Beziehungen zu den Phaenomenen der Gletscher, zur Geologie, Meteorologie und Pflanzengeographie / von Hermann Schlagintweit und Adolph Schlagintweit
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querthäler.

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durch Thalengen verbunden, wodurch allerdings ihre ursprünglich sehr einfachen Formenetwas verändert werden. Die Aufeinanderfolge von weiten Becken und Thalengen ist be-sonders in allen Querthälern der Alpen ungemein deutlich und sie wurde in den Thälernder Aar , Linlh, Reuss, Gastein u. s. w. schon von Sadssure, Leopold von Buch , Escher,Studer und Anderen angegeben.

Wir werden diese Erscheinungen am übersichtlichsten darstellen, wenn wir ein-zelne Thäler, in denen sie sehr deutlich'entwickelt sind, aufmerksam von unten nach auf-wärts verfolgen. Es ist dabei unvermeidlich, zur Erläuterung der Profile auf einige mehrtopographische Einzelnheiten einzugehen, indem sie zur näheren Characteristik der Formennicht wohl entbehrt werden können.

Quer th äler.

1. DasOetzthal.

Die Mündung dieses Thaies in das breite Längenthal des Inn , 56 Meilen oberhalbInnsbruck , wird durch eine schmale Oeffnung zwischen den Glimmerschieferbergen desrechten Ufers gebildet. Nur die grosse Wassermasse der Oetz zeigt an dieser Stelle, dasshinter der engen Spalte noch ein ausgedehntes Thal sich entwickeln muss. Es ist aus einerReihe von grossen Becken und Thalweitungen zusammengesetzt. Die Berge weichen dortmeist auf beiden Seiten, seltener bloss auf der einen zurück und schliessen eine breiteebene Thalsohle ein. Diese Becken können auf zweierlei Weise verbunden sein. Entwederist es nur eine plötzliche Senkung der Thalsohle, eine hohe Wand, welche sie trennt, oderes findet eine längere Unterbrechung durch eine Thalschlucht statt. Das letztere ist hierhäufiger, während wir die steilen Senkungen in den Tauern sehr entwickelt fanden. Mankann auf diese Weise im Oetzthale mehrere Stufen unterscheiden, welche auf dem Profileebenfalls angegeben sind. Siehe auf der folgenden Seite Fig. 6i.

Von der Mündung bis Dorf Oetz. Der Fluss hat bis in die Nähe von Au schon daseigentliche Thal verlassen und läuft in einem tiefen Erosionsbelte zwischengrossen Schuttanhäufungen und den Kalkterrassen, welche hier von dem linkenUfer des Inn auf das rechte übergreifen. Das Thal selbst ist schluchtartig undziemlich geneigt.

Erstes Becken bei Oetz , sehr w'eit und eben, theilweise mit Geröllablagerungen er-füllt, setzt sich bis Habichen fort.

Zwischen Habichen und Dumpen; jäheSenkung; sie ist sehr steil und hat eine re-lative Höhe von 300Fuss, mit grossen Blöcken vonGneuss bedeckt die grossen-theils durch Verwitterung an Ort und Stelle entstanden sind.

^Weites Becken bei Umhausen . Bemerkenswerth sind einige Kuppen von anstehendemGestein, welche in demselben 100150 Fuss hoch sich finden. Sie wieder-holen sich noch in manchen ähnlichen Thälern.