QUERTI1ÄLER.
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Von Zwieselstein bis Heiligenkreuz ; das Thal ist enger und hat keine cultur-fiihige Solde. Die Neigung ist weniger bedeutend als in der vorhergehendenVerengung.
Sechstes Becken bei Heiligenkreuz . Dasselbe ist klein und die Erweiterung nur aufdie linke Seite beschränkt. Die Neigung ist ziemlich bedeutend, jedoch von hochgelegenen Puncten, z. B. der Kirche aus, lässt sich die Mulde deutlich erkennen.
Von Ileiligenkreuz bis Vent behält das Thal einen sehr gleichmässigen Character.
Nur zuweilen tritt die eine Seite der Berge etwas zurück, z. B. bei Winter-stall, wo ein Paar Häuser die schmale Thalsohle benützten; von da auf-wärts sind die Abhänge sich sehr genähert; auffallend ist die bedeutende Zer-trümmerung des Gesteines durch die Verwitterung und die Lawinenwirkung,welche hier mit der grösseren Erhebung eintritt.
Siebentes Becken bei Vent. Dasselbe ist zwar kleiner als jenes von Sölden , aberdurch seine Regelmässigkeit in so grosser Höhe überraschend. Der ebene Tlialbo-den schneidet sich meistens scharf von den begränzenden Bergen ab; es ist diessbesonders auf der rechten Seite der Fall, während auf der linken zuweilen einallmählicherer Uebergang Statt findet. Der Boden dieser merkwürdigen Mulde,die auch durch ihre grosse absolute Höhe (5800 P. F.) unsere Aufmerksamkeitverdient, ist nicht ganz eben; er zeigt mannigfache Unregelmässigkeiten, diealle durch hervorstehende feste Gesteinmassen bedingt sind. Die Zwischen-räume sind jetzt theilweise mit Geröll bis zu 20 Fuss Mächtigkeit erfüllt, wasan mehreren Stellen sehr deutlich ist, wo durch die plötzliche Entleerung desGletschersees hinter dem Vernagt schöne Entblössungen entstanden. In demLaufe des Wassers müssen die erwähnten Unebenheiten manche Veränderungenbewirkt haben. Dasselbe wurde durch diese Erhöhungen theilweise aufgehal-ten, es musste kleine Tümpel von 20 — 30 Fuss Tiefe bilden, bis es allmählichdie Felsen durchnagt hatte.
Von Vent bis zum Ilochjoch. Oberhalb Vent findet die zweite Gabeltheilung statt.
Es beginnt in dem Ilauptthale sogleich eine grössere Neigung; dieses wird engerund besonders auf der rechten Seite fallen die Wände ganz steil zur Oetz ab.Die linken Abhänge sind stets etwas sanfter geneigt; bei Rofen zeigen sie eineflachere Einsattlung, welche die Rofnerhöfe einnehmen. Es ziehen sich hieraufTerrassen und niedere Abfälle vom Platteiberge bis zum Bache herab. Bei demVernagt-, Hintereis- und Ilochjochgletscher findet sodann eine fächerförmigeVertheilung des Thaies statt, welche nach allen Seiten in die grossen weitenFirnmeere endet. 1 ) Die Neigung in diesen hintersten Theilen ist im Mittelziemlich bedeutend. Diese Verhältnisse, sp wie die wichtigsten Formen derBergzüge und Gipfel wird auf Tafel VI in einer grösseren Uebersicht vereinigt.
Die Abzweigungen des Oetzthales, welche wir bei Zwieselstein und bei Vent
bemerkten, haben die gemeinsame Eigenschaft, dass sie bei ihrer Mündung ein etwas