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CAP.„XVIII. DIE GRENZEN DER VEGETATION NACH DER HÖHE.
sorgfältig gewählte Mittel aus mehreren Beobachtungen benützt werden. Die Tiefe, biszu welcher einzelne Gletscher herabreichen, ist natürlich von dieser Betrachtung ausge-schlossen, da die letzteren ohnehin nicht Schnee sondern Eis sind, und ihr Herabsteigenvon vielen andern Umständen bedingt ist 1 ). Einzelne kleine Firn - oder Eisansammlungen(Tieffirne, bas neues) kommen in den Alpen und im Jura an geschützten Lagen, selbst beiHöhen von 2000 Fuss, an einzelnen Stellen vor 2 ). Solche locale Eisansammlungen, wennsie auch für die Betrachtung der Sclmeelinie im allgemeinen wenig Bedeutung haben, sinddoch auf die Vegetation nicht ohne Einfluss. An ihren Rändern und an dem kalten Was-ser, welches durch ihr Schmelzen entsteht, siedeln sich höhere Alpenpflanzen an 3 ), wel-che auf den Character der subnivalen Region ober 7000 Fuss, wo sich vereinzelte Schnee-lagen weniger selten finden, einen bemerkbaren Einfluss ausüben. — Die Firnlinie, näm-lich die Begrenzung von Firn und Gletschereis, kann kaum zu Untersuchungen Uber dieSchneelinie dienen, da dieselbe nicht allgemein genug verbreitet ist. Sie zeigt zwar angrösseren Gletschern ziemlich viel Uebereinstimmung, jedoch an kleineren sind dieSchwankungen sehr bedeutend. Sie liegt an den letzteren stets höher, da bei der geringe-ren verticalen Höhe des Firnes die Infiltration und die darauf folgende Vereisung desselbenrascher erfolgt. — Die Wichtigkeit der Schneelinie wird besonders dann deutlich, wennman ihre Höhe in entlegenen Gebirgen vergleicht und die Regelmässigkeit ihrer Sen-kung gegen die Pole beobachtet. Jedoch haben ausser der Temperatur, sowohl im Jahres-mittel als in den einzelnen Monaten, aucli die Masse und die Vertheilung der atmosphäri-schen Niederschläge, die Richtung der Winde und die Gestalt des Bodens Einfluss auf dieHöhe derselben 4 ).
Die Bestimmung der Schneegrenze in verschiedenen Alpengruppen zeigt vor allemeine sehr bedeutende Erhöhung derselben in den südlichen Alpen. Jedoch schon in denCentralalpen scheint ein kleines Steigen im Gegensätze zu den nördlichen Gruppenund zu Steiermark einzutreten. Kleinere Alpenzüge sind aber schwer vergleichbar,da in denselben nur sehr wenige Puncte so bedeutende Höhen erreichen, dass man dieSchneegrenze in grösserer Erstreckung deutlich verfolgen und untersuchen kann.
Der Vergleich der Schneegrenze mit den Jahresisothermen hat gezeigt, dass die-selbe nicht mit jener von 0 Grad zusammenfällt, sondern in den Alpen um jene von—i°C.
1) Vergl. Cap. III. S. 52. ' . ... .
2) Wie leicht sich Schnee und Eis unter‘günstigen Bedingungen ansammeln können, zeigle1839 eine Eisbildung bei Frickhofen im Westerwalde , welche sich unter losem Basaltgerülle den gan-zen Sommer erhielt. Poggendorff’s Annalen Ergänzungsband I. 1842. S. 517.
3) Uebor die charactcristische Vegetation in der Nähe dieser »Schneelhäichen« und Schnce-wasserriesen vergleiche die Zusammenstellungen von Heer , Vegetalionsverhältnisse von Gla-rus u. s. w.
4) Vergl. Alex, von Hujjboldt’s Centralasien. Bd. II. S. 148—215. Kosmos Bd. I. S. 356. Leop.von Buch über die Grenzen des ewigen Schnees im Norden. Gilbert’s Annal . XLI. S. 1—50.