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Das Thierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Thierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustrirt von G. Rittmeyer und W. Georgy
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Dic A l p c n r c g i o n.

hobencm Kopfe jede seiner Bewegungen mit der grössten Aufmerksamkeit; jaein sonderbares, närrisches Benehmen des Jägers kann ihre Neugierde sosehr fesseln, dass der Gefährte desselben, wenn er nicht bemerkt worden, Zeitgewinnt, von hinten oder der Leite zu nahen und ;n schießen. Doch ist diesschwierig, wenn mehrere Thiere beisammenstehen, da sie alsdann nach allenSeiten hin ausblicken und stets die Nase witternd in die stuft strecken. Trifftman einzelne Thiere, so sind es gewöhnlich alte Böcke; weit öfter sieht mankleine Familien, im Herbst oft ganze große Züge. In der Bergrcgion haltensich dic sogenannten Waldthiere, in der Alpenregion mehr dicGrath- oderFirnthiere auf, die etwas kleiner und schlanker sind, ohne eine eigene Art zubilden. Im Sommer leben diese an der Schneegrenze, weiden aber an ein-zelnen Rasenstrichen bis über llOOlst n. M. hinaus und werden durch Be-folgung nicht selten gezwungen, noch bedeutend höher zu gehen. Ganz irrigist aber die oft wiederholte Angabe, als lebten diese Firnthiere mit besondererVorliebe zwischen Schnee und Eis und selbst im Winter auf den höchstenAlpenspitzcn. Jedes Thier lebt da am liebsten, wo es ein reiches und ge-sichertes Nahrnngsfeld findet, und so auch die Gemsen, die weder im Som-mer noch im Winter die Eisfelder bevorzugen, noch daselbst Etwas zu thunhaben, in der rauhen Jahreszeit vielmehr oft freiwillig bis in die Tiefe derThäler Herabkommen. Ebenso irrig ist die Aussage, die Firnthiere fressen imWinter auch Erde und verwitterte Steine. Wahrscheinlich hat die Gewohn-heit, von der Erde kurzes Moos zu rupfen und von: Felsen salpcterhaltigeSekretionen zu lecken, wobei vielleicht etwas Schiefer in den Magen derGemse kommen mag, die sonderbare Vorstellung veranlaßt.

Alle schweizerischen Hochalpen vorn Säntis bis zum Bernina undMontblanc ernähren noch zahlreiche Gemscnhecrden, wenn auch nicht mehrso viele wie vor hundert Jahren. Dic Jagd ist im Allgemeinen beschwerlich,gefährlich, unergiebig, braucht sehr viel Zeit, Geduld, Geschick, Orts- undWildkenntniss, sodass sich immer nur Wenige zu eigentlichen Gcmsenjägerngnalificiren, und die gute Gelegenheit, durch den Aufschwung der ein-heimischen Industrie ein sicheres und reichlicheres Brot zu erwerben, hatgar viele stente der Gemscnjagd entzogen; die bloßen stiebhaber, dic jährlichein paar Mal auf Gemsen gehen, sind dcm Wilebcstande nicht allzu gefährlich.In neueren Zeiten werden oft in einem ganzen Jahre in einem grossenReviere nicht mehr als 2k Stück erlegt, sodass die jährliche Vermehrungden Ausfall reichlich deckt. Am ergiebigsten und eifrigsten wird diese interes-sante Jagd noch in Granbündcn, Wallis und auch im Berneroberlande gepflegt,in welchem die Jäger im Winter oft über ihre Kleidung ein weißes Hemdziehen, um das scheue Wild zu täuschen. Dass einzelne Jäger daselbst eigneBlntbccher mit sich führen, um das Blut der frischgcschosscnen Gemse anfzn-