462 Zweyte Cl. V. Ord. Hühnerartige.
Amerika schon bekannt waren, und daß diejenigen,die man aus Frankreich nach Louisiana gebrachthat, daselbst nicht gedeyen wollen, so muß man woldafür halten, daß beyde Indien ihre eigenen ArtenTrurhhühner haben, und da die unserige, davon wirsetzt reden, so weichlich und zärtlich aufzubringenfind, so sollte man fast glauben, daß diese aus wär-mer» Ländern herstammen müssen; denn Kälte undRaße ist ihnen schädlich.
Sie sind die größten von allen zahmen Vö-geln, und wiegen, fett gemästet, öfters zwanzigPfund. Sie haben vcrhältnißmäßig kurze Flügel.Die rothen flcischichten Drüsen an der Stirn, deß,gleichen die bey der Kehle herunterhängende Lappen,und die über dem Schnabel herunterhängende drü-figte Zoten, schwellen, wenn sich der Hahn erhitztund böse wird, erstaunlich auf und werden blutroth,und dieses geschieht allemal wenn sie eine rothe Far-be , oder einen Menschen mit einem rothen Kleidesehen.
Einen dergleichen boßhaftigen Truthhan sahenwir einst in der der Fürstin von Ora-
nien, in dem Lustgarten Mariendurg, ohnweitLeuwarden in der Provinz Frießlsnd, der alleMenschen mit rothen Kleidern anflog und bisse; al-lein der Aufseher hatte ein ganz besonderes Mittel ihnzu zähmen. Er faßte nämlich den Vogel an, setzte^hn auf das zwischen der Menagerie und dem Lusthausemit Estrich belegte Pflaster nieder, druckte seinenHals und Schnabel auf das Estrich und zog mitweißer Kreide über den Schnabel, und so fort überdas Estrich hin, einen etwa zehn Zoll langen dickengeraden Strich, auf den der Vogel mit unverrück-ten Kopfe und Augen starr hinab sahe, und so dieganze Zeit liegenblieb, bis man ihn aufhob, so daßalle die rothe Kleider hatten, unverhindert um ihn