Band 
Zweyter Theil.
Seite
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Buch IIL

Geistes, die eine reine und stärkende Luft bei schlichtenMenschen hervorbringt.

Nichts ist dem Eindrücke erhabener Ruhe zu ver-gleichen , den der Anblick des Sternhimmels in dieserEinöde gewährt. Wenn unser Auge beym Eintritt derNacht - diese den Horizont begrenzenden Wiesen-gründe , die mit Gras bewachsene sanft wellenförmigeEbene überschaute, so glaubten wir von weitem her,wie in den Steppen des Orenoko, des Himmels gestirn-tes Gewölbe von der Fläche des Ozeans getragen zusehen. Der Baum, in dessen Schatten wir safsen, die inder Luft flatternden leuchtenden Insekten, die nach Südenhin glänzenden Sternbilder, alles schien uns an die Ent-fernung von der Heimath zu erinnern. Wenn alsdann,mitten in dieser fremdartigen Natur, aus einem Thal-grunde her, sich ein Kuhgeläut oder das Brüllen einesStiers hören liefs, dann erwachte plötzlich die Erinne-rung an das Vaterland. Es waren wie ferne Stimmen,die jenseits der Meere ertönten, und deren Zaubermachtuns von einer Halbkugel zur andern versetzte. Wie wun-derbar beweglich erscheint die Phantasie des Menschen,als unerschöpfliche Quelle von Freude und Schmerz!

Bey der Kühle des Morgens begannen wir den Tu-rimiquiri zu ersteigen. So nennt man den Gipfel desCocollar, welcher gemeinsam mit dem Brigantin nur eineBergmasse bildet, die vormals unter den Landeseingebor-nen Sierra de los Tage res hiefs. Einen Theil desWeges legt man auf Pferden zurück, die frey in diesenSavanen herumirren, von denen jedoch einige zum Reit-dienste gewöhnt sind. Wie schwerfällig ihr Aussehenauch ist, so erklettern sie doch mit vieler Leichtigkeitdie schlüpfrigsten Rasenabhänge. Den ersten Halt mach-ten wir bey einer Quelle, die noch, nicht aus dem Kalk-gebirge, sondern aus einer Schichte quarzigten Sandsteins