Band 
Sechster Theil.
Seite
73
JPEG-Download
 

Kapitel XXIX.

73

Mondscheine wollten wir an dem Ufer Pflanzen sammeln,und -waren kaum in unserem Kanoe dem Lande nahe,als aus dem Gesträuche ein junger Neger, trat, der ganznacht, mit Ketten beladen, und mit einem kurzen Säbelbewaffnet war. Er lud uns ein, an dem mit grofsenRhizophora-Käumen bedeckten Gestade, als an einem Ortewo keine Brandung zu befürchten sey, zu landen; undbot sich an, uns in das Innere der Insel Barü zu füh-ren,.wenn wir ihm einige Kleidungsstücke versprechenwollten. Sein hinterlistiges, wildes Aussehen, dip oftwiederholte Frage, ob wir Spanier wären, und unver-ständliche Worte, die er an seine hinter den Bäumenversteckten Gefährten richtete, flöfsten unsMifstrauenein.Ohne Zweifel waren diese Schwarzen entlaufene Neger,dem Gefängnifs entsprungene Sklaven. Diese Classe vonUnglücklichen ist am meisten zu fürchten; denn sieiahenden Muth der Verzweiflung und einen durch die Härteder Weifsen hervorgerufenen Durst nach Rache. Wirwaren ohn^ Waffen; sie schienen zahlreicher als wir,und sie w-ollten uns vielleicht zum Landen überreden,um sich unseres Kahnes zu bemächtigen; daher hieltenwir es für klüger nach unserem Schiffe zurückzukehren.Der Anblick eines nackten, auf unbewohntem Strandeumherirrenden Menschen, der um Hals und Arme.Ketten,die er nicht ablösen kann, mit sich schleppt, liefs unseinen schmerzlichen Eindruck zurück; und dieser wurdenoch durch das rohe Bedauern unserer Matrosen ver-mehrt, welche gern an das Land gestiegen wären, umsich der Flüchtlinge zu bemächtigen, und sie im geheimin Cartbagena zu verkaufen. In den Gegenden, wo Skla-verei herrscht, wird die Seele mit dem Anblicke desSchmerzes vertraut, und erstickt den Instinct des Mitge-fühls, der des Menschen Natur bezeichnen und erhe-ben soll.