BESTIMMUNG DER LUFTTEMPERATUR AUS BAROMETRISCHEN BEOBACHTUNGEN.
Bestimmung der Temperatur der Luft aus barometrischen Beobachtungen.
Das arithmetische Mittel der Lufttemperaturen an zwei verschieden hohen Be-obachtungspunkten kann der mittleren Temperatur der freien Luftsäule nicht gleich-gesetzt werden. Es lässt sich leicht im allgemeinen beurtlieilen, von welcher Artdie Abweichungen sind, die zugleich eine periodische Veränderung ihrer Grössezeigen werden.
Zur Zeit des Temperaturmaximums wird das arithmetische Mittel der Stationenzu warm, zur Zeit des Temperaturminimums wird dasselbe, verglichen mit derWärme der freien Atmosphäre, zu kalt sein. Da wir früher sahen, dass das Maximumund Minimum, besonders das erstere, an hohen und tieferen Orten nicht ganz gleich-zeitig sind, so wird dadurch die Grösse der Abweichung nach den örtlichen Ver-hältnissen und nach dem Höhenunterschiede etwas verschieden, der allgemeine Typusaber nur sehr wenig verändert werden.
Die Untersuchung des Einflusses, welchen in der Barometerformel ein Fehlerin der Annahme der Temperatur der Luft auf die Resultate der berechneten Höheausübt, zeigt zugleich, dass das Barometer sehr wohl dazu benützt werden kann,die mittlere Temperatur der Luftsäule zwischen zwei Beobachtungspunkten zu be-stimmen, deren Höhenunterschied als bekannt angenommen werden kann.
Wir wollen nun versuchen diese Betrachtung auf die Beobachtungen auf derVincenthütte und auf den St Bernhard anzuwenden.
Für den St. Bernhard und die Vincenthütte beruht allerdings die Bestimmungdes Höhenunterschiedes selbst zunächst auf barometrischen Beobachtungen; es könntedies befürchten lassen, dass die Resultate von der hier zu untersuchenden Grösseabhängig sind, und keinen absolut richtigen Vergleichungspunkt bieten. Fürden St. Bernhard ist aber die Berechnung auf mehrjährige Beobachtungen ge-gründet, und sie ist zugleich auf die Barometer- und Thermometerverhältnisse dervollständigen 24stündigen Periode bezogen. Es wird demnach nur jene Abweichunghier von Einfluss sein, welche das Jahresmittel zeigen wird. Allerdings ist nichtmit vollständiger Schärfe anzunehmen, dass das Jahresmittel der Temperaturen amSt. Bernhard und in Genf dem Jahresmittel der zwischen beiden Oten befindlichenfreien Luftsäule genau gleich sei. Da aber die Abweichungen in den kälteren undwärmeren Monaten, so wie in den kälteren und wärmeren Stunden der Tages-periode annähernd gleiche Grösse und entgegengesetzte Zeichen haben, sodürfte die resultirende Abweichung für das Jahresmittel sehr gering sein, undjedenfalls auf die folgenden Betrachtungen keinen wesentlichen Einfluss haben.Damit stimmt auch überein, dass man, wie die Erfahrung lehrte, aus den Jahres-mitteln der Barometer- und Thermometerstände mit Berücksichtigung der atmosphä-rischen Feuchtigkeit den wahren Höhenunterschied zweier Orte mit hinreichender
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