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UBER DEN GANG DES BAROMETERS.

Nachmittags. Das Minimum in der freien Luft bei 4600' Höhe über der Ebenetritt aber erst zwischen 5 und 6 Uhr ein. Diese verhältnissmässig sehr bedeutendeVerzögerung im Eintritte des Maximums ist wohl davon wesentlich abhängig, dassder aufsteigende Luftstrom durch die Ausdehnung der Luft bei ihrem Erheben unddurch die damit verbundene Wärmeentziehung erst nach längerem Andauern dasMaximum seiner Einwirkung zu erreichen vermag; dieses Verzögern wird mit derHöhe zunehmen, und es folgt daraus, dass das Maximum der Temperatur an denhohen Beobachtungspunkten, also auf Gipfeln oder hoch gelegenen Bergabhängenvon dem Eintreten des Maximums an den tieferen Orten nicht abhängen kann, weildie Luftmasse selbst nur sehr langsam ihrem Maximum sich nähert. Für die freieAtmosphäre in gleicher Höhe mit der Vincenthütte würde dies natürlich noch ummehrere Stunden später eintreten, als an dem jetzt betrachteten Punkte von 5100'absoluter Höhe; die direct beobachteten Temperaturen auf der Hütte zeigen aber,dass dies Maximum dort, wie ziemlich allgemein an hohen Orten, früher eintritt alsin der Ebene, während der Gang der Temperatur in den späten Nachmittagsstundenden Einfluss der jetzt bis zu ihrem Maximum erwärmten freien Atmosphäre kaummit Sicherheit erkennen lässt. Auch diese Betrachtung scheint demnach zu bestä-gen, dass selbst in den sehr hoch gelegenen und daher verhältnissmässig auch sehrschmalen Theilen der Alpen die locale Einwirkung der schneefreien Flächen durchInsolation und der Firne durch Zurückstrahlen der Wärme auf den täglichen Gangder Temperatur und besonders auf die Grösse des Maximums einen weit bedeu-tenderen Einfluss hat, als die gleichzeitige Temperatur der umgebenden freienAtmosphäre 1 .

Auch die Periode des Minimums in der freien Atmosphäre ist sehr verschiedenvon dem Gange der Luftwärme in der Nähe fester Oberflächen. Schon in der Höhevon 5100' scheint sich die Wärme von Mitternacht bis gegen 7 Uhr Morgens kaumzu ändern; die Differenz um 4 Uhr Morgens, welche ohnehin nur 0,1 ° C. beträgt,kann dabei nicht von Einfluss sein, theils ihrer unbedeutenden Grösse wegen, theilsdeswegen, weil gerade für diese Stunden die Feuchtigkeit der Luft einen kleinenFehler bewirken kann, da sie wegen der Lücke während der Nachtbeobachtuugenfür die Zeit von 10 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens als gleich angenommen wurde.

Wäre die Vincenthütte nicht während der ersten Nachtstunden, w T ie wir frühersahen 2 , einem Zuströmen kalter Luft ausgesetzt, wodurch hier ausnahmsweise dasMinimum mehrere Stunden vor dem Aufgange der Sonne eintritt, so würde geradefür diesen Theil der täglichen Periode, nämlich für die Stunden zwischen Mitter-nacht und Sonnenaufgang, der Unterschied zwischen dem Mittel der direct beobach-teten Temperaturen und zwischen den aus der Barometerformel abgeleiteten Wärme-verhältnissen für die freie Atmosphäre wahrscheinlich noch bedeutender sein, als wir

I) Vergl. oben S. 208.

2) Vergl. oben S. 2S)ij.