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508 VERBREITUNG UND AUSDEHNUNG DER GLETSCHER IN DEN VERSCHIEDENEN ALPENGRUPPEN.

Die Summe der Gletscher im Gebiete der Alpen beträgt demnach 1000 bis1100; jene der primären Gletscher in runder Zahl 60 *.

In Beziehung auf ihre Vertheilung zeigt sich, dass sie in der Nähe dergrössten Gipfel vereinigt sind; sie stehen aber weniger mit diesen als mit der all-gemeinen Erhebung des Terrains in ihrer Nähe in directem Zusammenhänge. Istdie Abdachung ziemlich gleichförmig, so laufen sie radienförmig nach allen Seitenaus; so am Mont-Blanc und im Berneroberlande.

Die Mehrzahl der grossen Gletscher befindet sich auf den nördlichen Abdachun-gen, was theils eine Folge der Exposition ist, theils von dem Umstande abhängt,dass die Neigung fast aller Alpentheile auf den südlichen Abdachungen weit steilerist, als auf den nördlichen; es finden sich daher vorzugsweise auf den ersteren jenegrossen Mulden, welche für die Existenz grosser Firnmeere und also auch grosserGletscher so wesentlich sind 1 2 .

Die secundären Gletscher sind weit unregelmässiger vertheilt. Sie finden sichnn allgemeinen überall, wo oberhalb der Schneegrenze Terrain genug zur Ansamm-lung grosser Firnmassen vorhanden ist 3 .

Die von Gletschern bedeckte Oberfläche. Unter dem allgemeinenNamen Gletscher ist hier sowohl der untere aus Eis bestehende Theil als auch seinFirnmeer zusammengefasst. In den grösseren Alpengruppen befinden sich nur sehrwenige Schnee- und Firnlager, welche nicht einen Theil des Firnmeeres eines Glet-schers ausmachen; in den niedrigeren Alpengruppen sind zwar solche vereinzelteSchneeanhäufungen zahlreicher; es sind aber dort zugleich die secundären Gletscheretwas kleiner; man kann demnach ohne grossen Fehler annehmen, dass die Ober-fläche, welche im Folgenden für die Summe aller Gletscher angenommen wurde,

1) Ich erhielt als Summe aller einzelnen Theile 1023 Gletscher, darunter 60 primäre. Ebel hattefrüher die Zahl der Gletscher zwischen dem Mont-Blanc und den Grenzen Tirols auf 400 geschätzt;eine Zahl, die auch mit meinen Resultaten sehr gut übereinstimmt; ich erhalte für die l’enninischenund Schweizer Alpen mit Hinzufiigung Graubündtens 393. Die Oberfläche aber, die Ebel für dieGletscher annahm, ist gewiss zu gross. Er schätzte sie auf 50 Quadratmeilen für diese Alpentheile.

2) In der Oetztbaler Gruppe und am Ortles fehlen aus diesem Grunde die primären Gletscher fastgänzlich auf der Südabdachung; der grösste Gletscher der Tauern hingegen, die Pasterze, ist nachS.S.O. gerichtet.

3) Wenn zwei in ihren oberen Theilen getrennte Gletscher sich vereinigen, so werden sie stetsnur als ein einziger Gletscher angeführt. Es kann daher der Fall Vorkommen, dass ein secundärerGletscher, wenn er in schneereichen und kalten Jahren sich ausdehnt, und mit einem anderen Glet-scher sich vereinigt, ans der Zahl der selbständigen Gletscher verschwindet. Es mussten demnach inJahren, wo die Bedingungen der Gletscherbildung so günstig sind, dass sie sich merklich vergrössern,ohne dass noch ganz neue Gletscher entstehen, die Zahl der Gletscher sich vermindern, obgleich derFlächenraum, den sie bedecken, vermehrt wird. Da jedoch die Oscillationen in der gegenwärtigenZeit gewöhnlich nicht so bedeutend und meistens gerade bei den secundären Gletschern in den ver-schiedenen Alpentheilen nicht ganz gleichzeitig sind, so kann eine ähnliche Veränderung der Zahl höch-stens an einzelnen besonders geeigneten Localitäten eintreten.