530
Ueberdiess kommen an mehreren Stellen in den engen Schluchten und Kin-nen, welche für diese steilen Kalkgebirge so characteristisch sind, permanente Firn-lagen vor.
Begünstigt durch die anomale Temperatur der Luft und des Bodens in den be-schatteten Schluchten, reichen die Firnlager in denselben oft ziemlich weit unterdie Schneegrenze herab. Einer der interessantesten dieser Tieffirne in dem Gebieteder Karte ist jener, welcher im Rainthale etwas unterhalb der Ilinterangerhütte 1liegt. Er hatte im Jahre 1852 und 1853 ziemlich dieselbe Ausdehnung beibehalten,welche wir früher, 1847, beobachteten. (Yergl. die kleine Zeichnung dieses Tief-firnes Fig. 15. S. 42 unserer früheren Untersuchungen.)
Uebersicht der Formationen.
I. Unterer Alpenkalk; Muschelkalk.
Es ist dieses die tiefste Formation, welche man in dem oberen Loisachgebieteentblösst findet. Sie besteht vorherrschend aus grauen Dolomiten, zwischen welchennur selten Lagen von dunkelen, grauen und bräunlichen Kalken Vorkommen. Durchgrösseren Bitumengehalt werden die Dolomite zuweilen auffallend dunkel; an anderenStellen linden sich sehr lichte Abänderungen von gelblicher und bräunlicher Farbe.Diese hellen Dolomite, unter dem Hammer oft in viele eckige Fragmente zersprin-gend, trifft man besonders in dem langen Dolomitzuge bei Mittenwald , am Ell-mauerbache, am Abhang des Stegreifes und von da westlich an mehreren Punktender Bodenlahne.
Versteinerungen konnte ich in dem unteren Alpenkalk nirgends auffinden; daderselbe die Grundlage der später folgenden, versteinerungsreicheu Schichten desunteren Lias bildet, so muss dieser untere Alpenkalk wohl als ein Aequivalent desMuschelkalkes betrachtet werden 2 .
II. Unterer Lias.
Diese Formation tritt in dem Gebiete der Karte in grosser Ausdehnung undEntwickelung auf. Sie besteht in Allgemeinen aus dunkel gefärbten Mergelschiefernund mergeligen Kalksteinen; zuweilen kommen auch weit lichtere, festere Kalke vor,z. B. am Risserkopf, Katzenstein, an den unteren Abhängen der Berge auf der linkenSeite des Geisthaies, und östlich von der Stuibenalpe gegen das Rainthal 3 ; diese
1) Die Höhe der Hinterangerhiitte beträgt 4182 Fuss.
2) Vergl. auch die Bemerkungen Cap. XVII S. 558.
3) Diese bräunlichen und gelblich-braunen thonigen Kalksteine sind zuweilen ziemlich hell gefärbtund enthalten zahlreiche sehr feine Spathadern, die siel 1 netzförmig durchkreuzen; sie ziehen sich öst-