Höhen, welche die günstigen Temperaturverhältnisse erwarten liessen. An deinFusse der Alpen zeigen sieh hier bereits Spuren der Region der immergrünen Laub-bäume, welche erst südlicher in Italien zu grösserer Entwickelung gelangt. DieRegion des Oelbaumes , mit der Pinie, der Cypresse u. s. w., erreicht in den Um-gebungen der schönen italienischen Seen fast jene Höhe, in welcher in den nörd-lichen Alpen die untere Bergregion beginnt, bezeichnet durch das Aufhören derRebencultur. Jedoch sobald man sich weiter in die Höhe begiebt, sinken die Pflan-zengrenzen verhältnissmässig herab, und die verschiedenen, sich rasch folgenden Ve-getationsabstufungen treten daher noch bei sehr warmen Isothermen ein.
Als specielles Beispiel führen wir die äusserste Getreidegrenze an, obgleichauch die Coniferen und andere Pflanzen dieselbe Erscheinung in ähnlicher Weisezeigen. Das Maximum der Getreidecultur von 4700 P. F. befindet sich hier bei—f— G,0 0 C., während in den nördlichen Kalkalpen 5,1, in den östlichen Centralalpen+ 2,7, in den hohen Gebirgsmassen von Wallis und Savoyen 2,2° C. die entspre-chenden Isothermen sind. Der Grund dieses tiefen Sinkens der Pflanzengrenzen inden oberen Theilen des Gebirges gegenüber den Isothermen dürfte wohl im We-sentlichen in der Gestalt des Gebirges zu suchen sein, welches hier verhältniss-mässig sehr geringe Höhen erreicht, und durch seine freie Lage, seine Zugänglich-keit für heftige Winde und den Mangel hoher Thalsohlen der Vegetation ungünstigist. Auch die schönen Beobachtungen von Cii. Martins am Mont-Ventoux , nord-östlich von Avignon (unter 44° 10' nördl. Br., 1911,4 M. hoch), bestätigen diesesResultat; ungeachtet der südlichen Lage erreichen hier doch zum Beispiel Pinusuncinata und Abies excelsa auf der Nordseite nur 5295 P.F., und die erstere Pflanzeallein auf der Südseite 5572'.
Schon bei einem Vergleiche der Pflanzengrenzen in der Spalte „Westliche Al-pen“ kann man, wenn auch in kleineren Maassstabe, eine ähnliche Erscheinung be-obachten. Es sind hier grossentheils etwas niedrigere Theile der cottischen undgrajischen Alpen enthalten, welche sich im Allgemeinen nicht bedeutend über dieSchneelinie erheben. Während in den unteren Theilen des Gebirges die Grenzender Rebe, der Wallnuss, der Kirsche ebenso hoch oder selbst etwas höher liegenals in den Centralalpen von Wallis und Savoyen , so tritt hier eine ziemlich merk-liche Depression sowohl der mittleren als auch der äussersten Coniferengrenze ein.
1) Sur la topographie botanique du Mont Ventoux de Provence . Ann. d. seiene. iiatur. 1838, X.
p. 129, und übers, in Beisgiiacs Annalen der Erdkunde. 1840. IX. S. 237.
Eine plötzliche Unterbrechung in den Vegetationsverhältnissen, die durch ihre Ausdehnung und Ge-stalt bisweilen an die Region über der Schneegrenze erinnert, hängt an einzelnen Stellen von der Po-rosität des Gesteines und dem damit verbundenen Wassermangel ab. Solche Stellen kommen vorzüg-lich in den östlichen Alpen, und zwar in der nördlichen Nebenzone derselben vor. Wir führen als Bei-spiele an: das steinerne Meer, das Tennengebirge, den Dachstein, das Prielgebirge u. s. w. u. s. w.
Nach Simoxy IIaidingeb’s Iler. 8° I S. 215 liegen dieselben gewöhnlich zwischen 6500 bis 9000 P.F.