Tie Nattern.
163
nimmt sie fleißig kühle Bäder, lauert auf Frösche, ihreLiebliugsuahrung, undauf Tritonen, schießt pfeilschnell auf die Beute los, schwimmt ihr selbst weitnach, indem sie lebhaft schlangelnd mit emporgehobenem Kopfe unter demWasserspiegel gleitet oder auf den Grund tauchend hineilt. Auf dem Landevermag sie auf junge Bäume sich zu winden, sobald sie dieselben umschlingenkann, indem sie fest ihre Rippen an die Unebenheiten des Stammes stemmt. Siesängt sich allerlei Insekten, Würmer und Reptilien, besonders Eidechsen, wohlaber nur in der Not auch Kröten und seltener junge Mäuse; mitunter haschtsie auch ein kleines Wägelchen oder ein Fischchen weg. Ihre Hauptspeisescheinen große Frösche zu sein, deren sie 6—10 Stück zu verschlingen imstandeist, worauf sie wieder ohne Nachteil 6—8 Wochen fasten kaun. Sie packtdas zappelnde, oft einen dumpfen Notschrei ausstoßende Tier am liebsten amKopf (weswegen auch zu Nattern eingesperrte Frösche instinktgcmäß den Kopfabwärts in die Kistenccke drücken und den Hintern vor- und aufwärts strecken),doch oft auch am Hinterfuß oder wo sie es gerade hascht, würgt das gefaßteGlied hinein und läßt unter allmählicher Erweiterung ihrer höchst elastischenKiefer- und Schlnndmnskeln den übrigen Teil des scheinbar unverhältnis-mäßig großen, immer noch zappelnden Bissens so langsam folgen, daß einejüngere Natter au einem Frosche oft über eine Stunde schluckt, während altedrei Frösche in einer halben Stunde verschlingen. Tote Tiere, selbst ganzfrisch getötete Frösche rc., berührt eine Natter nie. Ist sie gesättigt, so. ver-fällt sie bald in einen lethargischen Zustand der Verdauung, der mehrereTage andauern kann. In diesem Schlafwachen ist sie scheinbar unempfindlichund furchtlos; sie zieht sich aber gewöhnlich für diese Periode in größereVerborgenheit zurück. Im April oder Mai paart sie sich, wobei sie einenwiderlichen Knoblanchgernch verbreitet, und gegen den August hin sucht dasWeibchen seine Eier, die größer als Sperlingseier, gelblich, mit sehr wenigEiweiß versehen, von einer pergamentartigen Haut überzogen sind und durchzähe Fäden zu 20—30 Stück an einander hängen, an einem feuchten undwarmen Srte abzulegen, bald in Holzerde, bald in Mistbeeten, in Dünger-stöcken oder auch in Kuhställen, wo mancher verwunderte Bauer sie schon für,Hahneneier' gehalten hat. Tie Jungen sind in diesem Zeitpunkte schonziemlich ausgebildet, bleiben aber noch drei Wochen lang im Ei und messen,wenn sie ausschlüpfen, bereits über 14 cm, worauf sie sich von Insektennähren. Sie wachsen aber nur langsam, in den ersten beiden Jahren etwabis zu 48 ein, und erreichen wahrscheinlich ein ziemlich bedeutendes Alter,—wenigstens hat man schon 10—12 Jahre laug Nattern in der Gefangenschaftzu erhalten vermocht. In diesem Zustande wird die Schlange in der Regelbald zahm, während einzelne Exemplare stets unbändig bleiben, bei jederBewegung die höchste Reizbarkeit verraten, sich aufblähen, zischen, losfahrenoder wntstarr mit vorgestreckter Zunge liegen bleiben; ja man hat schon alteRingelnattern gefunden, die beini Einsangen in solche Zornekstase verfielen,