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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Tic Alpcnrcgion.

Einzelne dieser Verbindnngskanäle des Verkehr-lebens liegen schon hoch in derSchneeregion, so der Kistenpaß (2590 ,n ü. Ai,), der Sandgratpaß (2830 mü, M,), nnd sind mir im hohen Sommer benutzbar. So sehr sie indessen zurBelebung der Alpenlcmdschast beitragen, so verändern sie dieselbe doch nochnicht merklich, Menschen und Haustiere treten vielfältiger darin auf; abergewöhnlich sind es nur kunstlose Sanmwege, oft steile nnd selbst gefährlicheGebirgspfadc, die über die Bergjochc gehen. Das Kulturleben strömt und eiltschattenhaft rasch durch diese dünnen Verkehrsadern,

Einen etwas bestimmteren Eharaktcr verleihen die großen europäischen Alpenstraßcn den Thälern, durch welche sie gezogen sind. Staunend zählt derWanderer die Reihe der Kunstbrücken, die kühn über brausende Tiefen sichspannen, die Menge der Galerien, die in den Fclscnstvck getrieben sind, ver-folgt die Zickzacks nnd Schlangenlinien der schönen, breiten und wohlgeschütztenStraßen und begegnet auf den höchsten und unwirtlichsten Punkten nahe demewigen Schnee zwischen grenzenlos öden Fclsenwänden den schützendenHospizen, den letzten menschlichen Zufluchtsstätten in der Alpenrcgion undüber ihr. Diese Hospize sind einfache, äußerst solide, in der Regel das ganzeJahr bewohnbare Gebäude, sowohl an den Haupt- als Nebenpässen, nndgewähren gegen ein bloßes Liebcsgeschenk oder billige Bezahlung die nötigeErquicknng nnd Unterkunft, Der Geist der neueren Zeit, der überall diekürzesten Verbindungslinien zwischen den Völkern aufsucht, schuf alte,unbequeme Pässe, wo das warenbeladcne Maultier keuchend seinem Treibervoranklettcrte, zu herrlichen Kunst- und Poststraßcn um. Er suchte nichtgerade die tiefsten Einsattlnngen des Alpengebirgcs auf, sondern die kürzestenLinien zwischen größeren Städten und durch mcnschenreiche Landstriche. Viersolcher großer Weltstraßen verbinden den Süden Europas mit dem Nordenund durchbrechen mit der Macht des Geistes den Widerstand der natürlichenErdbildung. Aus dem oberen Rhonethale nach dem Vedrothale führt zwischendem Simplem und Mäderhorn die Simplonstraße, das unsterbliche Werkdes ersten Konsuls (18021806), mit einer höchsten Erhebung von 2000 mü, M. Ihr ebenbürtig ist der altberühmte Gotthardpaß, auf dessen Höhe(2114 m ü, Bi.) schon im 13. Jahrhundert ein Hospiz stand, mit einerschönen Kunststraße versehen worden. Man darf ihn füglich als Zentralpaßbezeichnen, indem er nicht nur die Alpenkette fast in der Mitte teilt, sondernvon allen unsern Pässen am geradesten und direktesten von einem nördlichenHauptthalc über den Alpenkamm in ein südliches Hauptthal führt, ohnevorher sich zwischen Haupt- oder Ncbenketten durchzuwinden. Früherbeherbergte das Hospiz jährlich gegen 10 000 arme Personen*); seit derEröffnung der Gotthardbahn (1882) haben sich die Verkehr-verhältnisse

Stach dem Tirektionsbuchc des St, Gotlhard betrug in den sechs Zähren von18551860 die Zahl der armen Reisenden 60 712, worunter 205 Kranke, Ihnen