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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Allgemeiner Charakter.

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Dabei wiederholt sich auch hier die frühere Bemerkung, das; lwm Spät-herbst an bis zum kürzesten Tage und länger in den höheren Lagen eine höhereWärme herrscht als in den tieferen, später aber das Verhältnis sich umkehrt.Der Wärmewechsel tritt in der ganzen Alpcnregion oft außerordentlich raschein. Die Sommertage sind nicht selten so heiß. daß die Sonnenstrahlen daszarte Grün der Weiden versengen, und doch sieht man oft nachts im gleichenGrunde den Reif an den Bachnfern schimmern. Dagegen sind die täglichenSchwankungen des Thermometers im Winter in der Alpcnregion gewöhnlichweit geringer als z. B. in der snbmontanen und kollinen. und überschreitenauch auf dem St. Bernhard in der Regel 610° nicht. Die Temperaturdes Schnees selber ist sehr unbeständig und hängt bis in beträchtliche Tiefevon der atmosphärischen Luft ab. Auf weiten, blanken Schnecfeldern steigertsich die Wärme durch Strahlung mitten im Winter oft unerträglich, unddas Thermometer weist in Höhen von 23002600 m in der Sonne dannnicht selten über 30° C. Wer um diese Zeit länger in den Hochrcgionenwandert, hat trotz guter Verhüllung des Gesichts viel zu leiden. Die Gletscher-sonne blendet und überreizt das Auge, das Gesicht schwillt auf, glüht, wirdbraunrot und entstellt, die Oberhaut platzt. Das Wandern geht bei tieferTemperatur sehr leicht, bei Hellem Wetter aber oft äußerst mühsam und istbesonders schmerzhaft, wenn die Füße fortwährend durch die harte Kruste inden weichen Nnterschnee einsinken. Dafür entschädigt das großartige Bildeiner neuen Welt in schimmernder Klarheit, und die außerordentliche Durch-sichtigkeit der Luft hebt die feinsten Konturen der Berge mit wunderbarerSchärfe von der tiefen Bläue des Himmels ab.

Wenn wir schon in der Bergregion einen raschen Wechsel der Jahres-zeiten bemerkten, so ist dieser im Gürtel des Alpengebietes in noch höheremGrade vorhanden, und auch hier ist der Föhn der Bote des Frühlings, dieBedingung des Sommerlebens. Die Winter sind öde und tot; wo nochStraßen und Dörfer sind, klingen die Schlitten, knallt die Peitsche. Durchdie großen Pässe gehen täglich die Züge der kleinen Postschlitten und desGütertransits; bis an die Zähne vermummt halten die Truppen der Weg-knechte mühsam die Verbindung offen. In den unbewohnten Alpen aber istdas Leben auf ein Minimum reduziert. Die Schneemassen lasten klafterhochauf den Weiden und Halden, verhüllen die Klüfte, Felsenrevierc und Senn-hütten und lösen die Individualität der Landschaft in die allgemeinen Wellen-formen auf, in denen sich Büsche, Bachbctte und Felsen verlieren. Das niedrigeTierleben ist unter die Erde verschwunden und träumt dem Frühling ent-gegen; ebenso vertrauen Mäuse, Murmeltiere, Bären, Dachse der Wärmeihrer Erd- und Felsenhöhlen das vom Frost und Hunger bedrohte Leben.Die übrigen Raubtiere und die Menge der Strichvögel ziehen sich in dieBergregion und schweifen bis in die Ebene hinaus. Stcinböcke und Gemsenbergen sich in den obersten Wäldern; nur der weiße Hase behauptet sich anT'chndi', Ticrlcbcn. 11. Aufl.

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