Allgemeiner Charakter.
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stürzen auf die ungeschmolzeucn, früher gefallenen Gletschertrümmer nieder.Tie bei Tage Herabtriesenden und rieselnden Wasser unterhöhlen die chaotischeMasse; ein warmer Wind oder Regen bringt das Ganze in Bewegung, undso stürzen diese Eisströme lawinenartig in die Wälder oder Bergwiescn, woihre Trümmer mit wunderlich ausgeschmolzencn Zacken, Höhlungen undLöchern noch lange traurig im jungen Grün lagern. Davon sind die eigent-lichen großen Glctscherbrüche zu unterscheiden, glücklicherweise seltenePhänomene, die beim Einsturz eines ganzen Gletschergebietes entstehen. DasTörflcin Randa im Nikolaithal (Wallis ) hat in dieser Hinsicht wohl diehäufigsten und traurigsten Erfahrungen gemacht. Im Jahre 1636 stürzteder größte Teil des Weißhorn- oder Bisgletschers zusammen und donnertein die Tiefe, wodurch fast der ganze Ort zertrümmert wurde. Im vergangenenJahrhundert folgten zweimal ähnliche Gletscherstürze und der letzte abermalshöchst verderbliche mit einer Eismasse von etwa 360 Millionen Kubikfnß am29. Dezember 1819, wobei der Luftdruck ganze Häuser umdrehte und dasBalkenwerk in den hoch ob dem Torfe liegenden Wald schleuderte. Es ent-wickelte sich unmittelbar beim Sturz der unendlichen Last unter dumpfemTonncrgetöse ein eigentümlicher, blendender Lichtglanz im Dunkel derMorgendämmerung, worauf tiefe Finsternis dem furchtbaren Luftstoß folgte.Ähnliche Verheerungen richtete im Jahre 1818 bei seinem Vorrücken derGictrozgletscher im oberen Bagnethal an, füllte das schmale Thal an die30 in hoch mit Eis an, sperrte die Dranse und verwandelte das ganze Felsen-thal von Torembec in einen See. Der gesprengte Kanal brach später zusammenund die Flut verheerte das untere Thal schrecklich. Kleine Gletscherlawinen,durch Vorrücknng und Abschmelznng stark geneigter Gletscherfelder bedingt,sind besonders häufig am unteren Grindelwaldgletscher und an der Jungfrauüber die heiße Platte (im Sommer fast alle Viertelstunden) bemerkbar.
Zu den pittoreskesten Phänomenen der Alpenlandschaft gehören dieLawinen, im Tessin Imvina oder Slavinn genannt, diese ungeheueren,donnernden Schneeströme, deren Majestät ebenso groß ist wie die Furchtbarkeitihrer Gewalt. Sie kehren periodisch wieder, haben ihre bestimmten Zügeund Gänge, ihre Kessel, in denen sie aufgehoben werden, ihre Lagerfelder, wodie bewegten Massen zur Ruhe kommen. Ein großer Teil der Alpen bedientsich dieser Kanäle, um sich stellenweise ungeheuerer Schneemassen zu entledigen,und zwar mit einer Regelmäßigkeit, die sich nach Wochen, ja nach Tagenberechnen läßt; genaue Beobachter können oft die Stunde bezeichnen, wo dieLawine kommen wird. Die Formen dieser Schneestürze sind mannigfach;bald treten sie bloß als eine Schlipfe auf, in der die Schneeanhäufnngeneines gewissen Felsengebietes durch gröbere Bergfurchen abgehen, oder es sindzusammengebrochene Windschilde oder Windbretter, die durch einenanhaltenden Windstrich bei starkem Schneefall an einer Felsenzinne aufge-türmten Massen, die ohne ordentliche Grundlage durch das eigene Gewicht
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