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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Die Alpenregion.

meisten Alpen herrschende unglaubliche Sorglosigkeit für die Wiederaufforstung,überhaupt für eine ordentliche Forstwirtschaft. Wenn ganze Schlage nieder-gehauen sind, so entführen Schneestürze, Regen, Wind und Bäche die frucht-bare Tammerde; die zurückbleibende Humusschicht der Blößen ist so dünn,daß allfällig keimender Nachwuchs schutzlos vou der Soune ausgebrannt,von den Schneelasten erdrückt, von den Stürmen zerrissen wird. Tie dürftigeErdlage ist nun allen Elementen preisgegeben. Tie Sommerhitze trocknet siein ihrer ganzen Tiefe aus, und der dichte Regen schwemmt die gelockerte Krumeivcg, wenn sie nicht ohnehin durch eine kurz ausdauernde Übergrasung erschöpftwird. So verwildern große Reviere, die früher der schönste Baumwuchsbekleidete, und sind im Laufe der Zeit fast untauglich geworden, nur Sträucherzu beherbergen. Solche Verödung aber wirkt nicht nur auf die unmittelbarbetroffene Stelle, sondern auf die ganze Umgebung höchst nachteilig ein, davon guten Waldbcständen teilweise die Milde des Klimas, die Entladung desRegengewölkcs, der Wasserreichtum der Quellen, die Fruchtbarkeit des Bodens,der Schutz der Gegend vor Lawinen und Erdschlipfen, die Sicherung desTieflandes vor Überschwemmungen und Verschüttungen, überhaupt ein großerTeil der Wohnlichkeit und Kultursähigkcit des ganzen Reviers wie des ange-lehnten Tieflandes abhängt. Qft wird geglaubt, das Verschwinden des hohenHolzwuchscs sei eine natürliche Folge des Kälterswerdcns der ganzen alpinenTemperatur, von der auch die Entstehung vieler neuer Gletscher seit 100 bis120 Jahren, so wie das Zurückweichen der Qbst- und Weinkultur aus Gegenden,die solche früher gewiß besessen, Zeugnis geben. Alan nimmt ein periodischesSteigen und Fallen der Gesamttemperatur an und beweist aus der großenEntfernung uralter Glctschermoräucn von den jetzigen Gletschcrgrenzen, daßin noch früheren Zeiten die Temperatur viel tiefer gestanden w. Allein weitsicherer ist nachzuweisen, daß das Zurückweichen der Wälder von der Höhe nichtsowohl die Folge, als vielmehr die Ursache vieler lokaler Klimaverschlcchterungcnist, und wesentlich durch üble Waldwirtschaft bedingt wurde.

Wir haben die durchschnittliche Hvlzgrenze der Schweizeralpcn zu 1600bis 1900 m absoluter Höhe angegeben. Man darf dadurch aber nicht etwazu der Vermutung veranlaßt werden, daß durchschnittlich alle Thäler undBergzüge bis zu dieser Höhe wirklich von Wäldern bekleidet seien, oder daßüberall nur die reale Möglichkeit sich finde, Bäume bis zu jener Höhe zubeherbergen. Das Niederschlagen von großen Forstrevieren hat der ebenbezeichneten Verwilderung an vielen Qrten bis hoch in die Alpenregion hinanBahn gebrochen, und Steilheit der Gcbirgsböschung, Rauheit der Winde,Sonnenarmut und Unfruchtbarkeit des Bodens haben mitgewirkt, daß inmanchen Alpcnstrichen der eigentliche Holzwuchs etliche tausend Fuß unterder natürlichen Baumgrenze zurückgeblieben ist, namentlich in den nördlichenBergzügen. Nach der Meglisalp (1480 in ü. M.) am Säntisstock tragen dieSennen ihren Holzbedarf stundenweit aus dem Scealpthale auf dem Rücken