269
der Erdkunde und die Ursachen, welche sic beschleu-nigt haben, verkennen, wenn man die sinnreichen Ver-fahruugsweisen der combinirenden Kunst mit mifsgünstigemBlicke betrachten wollte; die Ergebnisse dieser Verfah-rungsweisen sind nur da zu fürchten, wo man bei Ent-wertung der Karten nicht zugleich die Mittel an dieHand giebt, dasjenige, was wirklich beobachtet wordenist, von demjenigen zu trennen, von dem man einfachvorausgesetzt hat, dafs es bestehen könne. Bei der Auf-gabe, deren Lösung uns hier beschäftigt, darf man denEintlufs nicht aus den Augen verlieren, welchen auf dieDarstellung der Kartenumrisse und der allgemeinen Bil-dung der Festländer Meinungen, Vermuthungen und Wün-sche ausgeübt haben, welche durch grofse Staats- undHandelsinteresscn hervorgerufen worden sind. Aus die-sem Vorgreifen von Vermuthungen vor wirklichen Ent-deckungen und den mehr oder minder haltbaren Beweg-gründen, welche ein solches Vorgreifen veranlafsten, wirdsich einiges Licht in Bezug auf die Ueberzeugung ver-breiten lassen, welche Magcllan seit dem Jahre 1517 vondem Dasein einer Meerenge hatte, die er erst am Schlüssedes Oktobers 1520 entdeckte.
Seit der Expedition des Diego de Lepe (1500) undder von diesem Seefahrer gemachten Bemerkung, dafs,wenn mau das Vorgebirge St. Augustin umschiffte, dieKüste die Richtung nach SW zu verfolgen beginnt, konntemau in Europa die pyramidenförmige Gestalt des südli-chen Amerika vermuthen. Die Beziehungen zwischen derkosmographischcn Lage dieser Hälfte der neuen Weltund von Afrika sind von der Art (und diese merkwür-dige Thatsache hat wahrscheinlich ebenfalls beim Ur-sprünge der Dinge auf die ungleiche Erstreckung der Län-der nach dem Südpole hin einen Einllufs ausgeübt), dafsdie grofse Convexität des amerikanischen Festlandes (dasausgedehnte brasilianische Vorgebirge), welche der gegen-überliegenden Ausbuchtung Afrika s entspricht, weit davon