292
die Karten erhalten haben, welche die Küsten so weitgegen Westen über den Meerbusen von Uraba hinausverlängerten. Erst zu Haiti hat er sic finden können,wo er sich im Julius 1502, ein Jahr nachdem Bastidasauf der Rückkehr von seiner Reise nach der nordwest-lichen Küste von Venezuela dort gewesen war, einigeTage aufhiclt. Dieses Beispiel beweist hinlänglich, wiesehr man sich damals beeilte, auf den Karten alles das-jenige zu verzeichnen, was man über den Fortschritt derneuesten Entdeckungen zu erfahren vermochte. Mankannte die Wichtigkeit dieser graphischen Urkunden;und Ilojeda selbst wurde, wie sein eignes Zeugnifs indem Prozesse des königlichen Fiskals gegen den DiegoColumbus beweist, auf seiner ersten Reise, die er mitAmerigo Vespucci unternahm, durch ein Bruchstück ei-ner von der Hand des Columbus gezeichneten Karte (pin-tura de Ja iierrn) geleitet, welche ihm indiskreter Weisevon dem Bischof Johann Rodrigucz de Fonseca, einemFeinde des Admirals und Gönner seines NebenbuhlersAlonzo de Ilojeda, mitgctheilt worden war *).
Es bleibt mir übrig, eines der auffallendsten Bei-spiele von Kenntnissen hervorzuheben, welche durch Kar-ten verbreitet und auf ETeberlieferungen verstohlen un-ternommener Expeditionen begründet wurden. Ich habein der schönen Ausgabe der Geographie des Ptolemäus ,die zu Rom im Jahre 1508 erschienen ist, das Verzeich-nis der portugiesischen Seefahrten an den östlichen Kü-sten des südlichen Amerika gefunden, auf denen manbis zum fünfzigsten Grade südlicher Breite vorgedrun-
*) Segunda Prcg. del Fiscal. Columbus batte an die spanischen Monarchen im Jahre 149S geschrieben: „Knriare a Vuestras Allezat1a pintura de la tierra (de l’aria) y lengo asentadu t'/i el animaque alli es el Paratso terrenal.“ Nach Columbus ist cs die iiufsersleOstspitze , wohin die Karte und christliche Topographie des Cosmasauf einen von dem tinsrigen durch den Ocean getrennten Kontinent, denUrsprung des menschlichen Geschlechts verlegen.