Band 
Erster Band.
Seite
380
JPEG-Download
 

380

nach einem aufser Zweifel gestellten Erfahrungssatze dieBarbarei der Völker vorzugsweise in ihrer Regierungs-form und der Art und Weise hervortritt, wie sie sichbeherrschen lassen; denn je mehr die Menschen zu ei-ner vernünftigen Einsicht und zum Gebrauch ihrer geisti-gen Fähigkeiten gelangt sind, desto menschlicher ist auchihre Regierung, desto billiger sind die Forderungen,welche dieselbe macht, und desto gefügiger werden dieKönige, indem sie sich auf einen besseren Fufs mitihren Unterthancu zu stellen suchen, die sic nach demGesetze der Natur als ihres Gleichen anzuerkeuuen ge-nöthigt sind. Auch haben mehrere Völker jenes westli-chen Indiens in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen keineKönige oder unumschränkte Herrscher dulden wollen,weil unter Barbaren die Regierungen ihre Unterthanendem Vieh gleichstellen, und dagegen ihrer Seits als gött-liche Wesen angesehen zu werden begehren. Der Je­ suit schreibt, vielleicht nicht ohne eine kleine Bosheit,einer scharfsichtigen und berechnenden Klugheit zu, waseinzig und allein durch die Gewalt der Umstände unddie Berücksichtigung der besonderen Interessen der Völ-ker bedingt wurde.

Ich habe den mächtigen Einflufs zu entwickeln ge-sucht, welchen der gesellschaftliche Zustand, in dem Ame­ rika am Schlüsse des fünfzehnten Jahrhunderts von denEuropäern gefunden wurde, auf den Gang der Erobe-rung, die Gestaltung der ersten Niederlassungen und, wasbei weitem wichtiger ist, aber seither bei den Untersu-chungen über die amerikanischen Staatsverhältnissc nochimmer nicht hinreichend berücksichtigt worden ist, aufden Charakter ausgeübt hat, welchen bis auf den heu-tigen Tag die verschiedenen freien Staaten der NeuenWelt bewahrt haben. Dieser gesellschaftliche Zustandaber war vier Jahrhunderte vor der Eroberung nicht vonderselben Art, und Europa würde, wenn cs die Spurender skandinavischen Seefahrer weiter verfolgt hätte, eine