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Allgemeine Entomologie / von Hermann Burmeister
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Dritter Abschnitt, Physiologie

§. 213 .

Betrachten wir zuerst den Hergang der Ernährung im Allgemcineu, wie wir ihn in der fortschreitenden Entwickelung thierischer Olga,nisation wahrnehmen^ so müssen wir finden, daß eine innere Höhleals das erste Ernahrnngsorgan auftritt. Zn diese Höhle, welche manMagen, Magen sack oder Magenhöhle nennt, werden die Nah-rungsmittel aufgenommen, verarbeitet und zum Theil als unverdau-liche Neste wieder aus ihr entfernt, entweder durch dieselbe Ocffnung,durch welche sie eingeführt wurden (Mund), oder durch eine an,dcre, am entgegengesetzten Ende der Magcnhöhle befindliche (After ).So lange die Nahrungsmittel in diesem bald einfachen, bald mehrröhrigen, und mit Nebcnerwciterungen, Taschen, gleichsam mehrerenseitlichen Magenbeuteln, versehenen Schlauch verweilen, werden dieverdaulichen Stoffe von den Wandungen des Schlauches aufgesogenund sogleich in Leibmasse verwandelt. Wir finden diese erste und ein-fachste Ernährungsweise bei den niedrigsten Thieren, als vielen Infu-sorien, Polypen, Quallen und den afterloscn Eingeweide-würmern.

Auf einer vollkommneren Stufe kann die Verdauung der Nah-Amgsmictel erst dann von Statten gehen, wenn sie durch die Sekreteeigenthümlicher Organe dazu vorher geschickt gemacht, gleichsam ge-tödtct und in einen zcrsetzbaren Zustand verwandelt worden sind.Zugleich wird die Magenhöhle mit dem Auftreten solcher Hülfsorganezusammengesetzter, länger, röhrenförmig, und macht mehrere Windun-gen im Leibe. Das erste der secernirenden Organe, welches zu der nun-mehr Darmkanal zu nennenden, verdauenden Höhle hinzutritt, istdie Leber, ein drüsiger Körper, welcher seine Absonderung in die vor-dere Hälfte des Darmes, hinter den Magen, ergießt, und durchdieselbe den Nahrungsbrci aussaugungsfähig macht. Das zweite Ab-sonderungöorgan sind die Speicheldrüsen. Sie treten in der Regelerst bei solchen Thieren, die harte Nahrungsmittel zu sich nehmen, auf,und sorgen durch ihr Sekret für die Verwandlung der rohen Stossein einen gleichmäßig flüssigen Brei. Auf solcher Stufe der Entwicke-lung des Verdauungöapparatcs stehen die Muscheln, Schnecken,Krebse, Arachniden, Myriapoden und Kerfe. Vielen dersel-ben fehlen noch die Speicheldrüsen; viele haben eine sehr große, mehr-lappige Leber, wie die Schnecken; andere eine kleine, durch röhren-förmige Kanäle dargestellte. Der Mangel des Afters gehört auf die-