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Allgemeine Entomologie / von Hermann Burmeister
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Dritter Abschnitt. Physiologie.

§. 220 .

Die erste Veränderung der Nahrungsmittel, gleichsam eine Vor-bereitung zur Verdauung, geschieht schon während des Kauens oderSaugcns durch das Sekret der Speichelgcfaße. Diese Organe, welchenach §. 112 allen saugenden und vielen beißenden, namentlich solchenKerfen, die vorzugsweise vegetabilische Nahrung zu sich nehmen, eigensind, sondern eine eigene, weißliche, oft wasserhclle Feuchtigkeit ab,welche alkalischer Natur zu sein scheint und schon im Munde mit denNahrungsmitteln sich vermischt. Diese Vermischung hat einen drei-fachen Zweck, nehmlich:

1. Die mechanische Verdünnung der Nahrungsmittel. DieseVerdünnung ist besonders bei solchen Kerfen, welche sich von harten,vegetabilischen Stoffen nähren, um so nothwendiger, als sie selbst häufignur sehr wenig Feuchtigkeit enthalten, und die Zertheilung im Mundeschwieriger sein muß, als bei weichen, thierischen Nahrungsmitteln.Sie werden auf diese Weise durch Käuen und Vermischen mit demSpeichel in einen dickflüssigen Brei verwandelt, welcher nun im Ma-gen desto besser bearbeitet werden kann. Die Heuschrecken, Gryllen,Larven der Bockkäfer, Holzbohrer und die Raupe des Wcidcnbohrersscheinen besonders, wegen des oft harten Holzes, das sie verzehren,solcher mechanischen Verdünnung des Im Munde gekauten Bissens zubedürfen.

2. Die chemische Einwirkung des Speichels auf die Nahrungs-mittel ist noch sichtbarer. Der Speichel ist seiner ganzen Beschaffen-heit nach ein Gift, welcher die Nahrungsmittel gleichsam tödtct, sieihrer natürlichen, lebendigen Beschaffenheit beraubt und dadurch ineinen gleichsam gebrühetcn Zustand versetzt. Hiervon überzeugt unsder Biß der giftigen Schlangen, deren Gift nichts anderes, als dervon besonderen Drüsen abgesonderte Speichel ist. Nach Humboldt")reicht der Speichel der Schlangen schon hin, das Fleisch eben getöte-ter Thiere in eine gallertartige Substanz umzuwandeln, weshalb dennauch diese Schlangen ihre Beute ganz begeifern, ehe sie dieselbe hin-unterschlucken. Achnlich wirkt der Speichel der Insekten. Schongleich nach dem Hinabschlingen und der Vermischung mit dem Speichelim Munde verlieren die grünen Pflanzenblatter, von welchen dieRaupen sich nähren, ihre helle Farbe und nehmen nach und nach eine

-) Ansicht der Natur, t Vd S Ul.