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Allgemeine Entomologie / von Hermann Burmeister
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Zweites Kapitel. H. Achmung.

Ziehen wir noch einige Folgerungen aus den angegebenen Ve,obachtungen, so finden wir auch in diesen eine Bestätigung des schonaus den Arhmungsbcwcgungcn gezogenen Gesetzes, daß nehmlich imSonnenlichte und bei allgcmeinerAufrcgung des Körpers die Achmung ra-scher und intensiver von Statten gehe, als in der Ruhe oder im Schatten.Eine Arbeitsbiene athmet unter den ersten Verhältnissen säst doppelt soviel Lust eilt, verzehrte mehr als noch einmal so viel Sauerstoff, undgab säst die dreifache Quantität der Kohlensäure wieder von sich,während die Menge des auögestoßcncn Stickstoffes unverändert blieb.Ganz dasselbe Resultat geben mehrere von Sorg angestellten Versuche.Hunger und völlige Sättigung üben ebenfalls großen Einfluß auf dieAthmungsfunktionen aus, und zwar scheint der Hunger, wie überhaupt,so auch auf die Athmuug, dcprimircnd zu wirken. Es athmen da-her hungrige Kerfe freilich langsamer, aber auch länger, als die in ei-nem gleichen Volumen Lust sich aufhaltenden wohlgenährten Indivi-duen. Diese dagegen erzeugen verhältnißmäßig ungleich mehr Kohlen,säure, als jene. Eine Cctonie, welche drei Tage gehungert hatte,athmete weniger als halb so viel Lust ein, und bereitete nur etwaso viel Kohlensäure, als ein vollgenährtcr, rüstiger Käfer derselbenArt. Aehnlich verhalten sich die Resultate bei den unter gleichen Um-ständen beobachteten Schmetterlingen.

Daß schon die sich entwickelnden Eier gerade so, und unter denselbenBedingungen, rcspiriren, unter denen hernach die vollkommenen Kerfeathmen, ist oben (S. 365) bei der Entwickelung der Eier durch Ver,suche nachgewiesen.

§. 234.

Die Athmuug durch Kiemen giebt bei aufmerksamer Beobachtungdasselbe Resultat; auch durch die Kiemen wird Sauerstoff cingcsogcnund Kohlenstoff zurückgegeben. Bei der Athmung der Kerfe durchKiemen aber entsteht die Frage, ob diese Kiemen, wie bei den übrigenmit überall verbreiteten Blutgefäßen versehenen Thieren, bloß Sauer,stvff einsangen und Kohlensäure aushauchen, oder ob sie vollkommeneatmosphärische Lust einsaugen und den des Sauerstoffes beraubten, mitKohlensäure und Stickstoff geschwängerten, Rest wieder ausscheiden.Zuerst müssen wir untersuchen: woher erhalten überhaupt die Kiemenihren Sauerstoff? zersetzen sie das aus Sauerstoff und Wasserstoffbestehende Wasser? oder zersetzen sie nur die dem Wasser beige-mengte atmosphärische Luft? Alle Beobachtungen überzeugen unsdavon, daß nur die dem Wasser beigemengte Luft verändert werde.