448 Dritter Abschnitt. Physiologie.
dieser Formen die Gestalt der Kerfe und den Zweck dieser Gestalt ausdem Gegensatz gegen die übrigen herauszufinden; dann erst, wenn dieUrsache des gegliederten Kcrfleibes gefunden ist, werden wir die Betrach-tungen über seine ihm eigenthümlichen Veränderungen anstellen können.
§. 245 .
Das Thierreich durchläuft von seinen einfachsten Anfängen biszu seinem höchsten Gliede mehrere Stufen von Entwickelungen. Dererste Thierlcib ist aber nicht durchweg einfach, ungetrennt und einer-lei, sondern schon in ihm treten Organe auf, welche sich vom Thier-leibe trennen, und ihm gleichsam entgegengesetzt sind. Diese Organessind die pflanzlichen, d. h. diejenigen, welche das Thier mit derPflanze gemein hat, und die ihm gleichsam von der Pflanze Über-macht wurden; also die ernährenden und fortpflanzenden Organe.Jene, als die für die Erhaltung des Individuums sorgenden, sind diefrühern, diese, wie auch bei den Pflanzen, die spätern; daher sinddie ersten und niedrigsten Thiere geschlechtslos. Betrachten wir dem-nächst den Gang, den das Thierreich in seiner Entwickelung nimmt,so finden wir, daß sich derselbe besonders dahin wendet, die bewe-genden und empfindenden Organe zur Entwickelung gelangen zu lassen.Diese Entwickelung aber geht mit einer andern Entwickelung, nehmlichder successiven Ausbildung der ernährenden und fortpflanzenden Or-gane, Hand in Hand, so daß das Resultat der ganzen Entwickelungeine in allen vier Systemen gleichmäßig hohe und zugleich höchste Stufeder thierischen Organisation sein würde. Alle Stufen dagegen, welchezwischen jener niedrigsten und dieser höchsten Stufe liegen, zeigen einSchwanken in der Stufeucntwickclung der einzelnen Systeme, so daßbald dieses, bald jenes höher entwickelt zu sein scheint. Sollen wirnach diesen durch Beobachtung gewonnenen Thatsachen ein Resultatüber die Entwickelung im Thierreiche feststellen, so würde dies etwadas Folgende sein:
Das Thierreich beginnt mit den Organen der Ernährung; imVerlauf ihrer Entwickelung geselle» sich die Geschlechtsorgane hinzuund beide gelangen nun zu einer gewissen Höhe der Entwickelung,ohne daß die Bewegungs- und Empfindungsorganc einen bemerkbarenAntheil an dieser Entwickelung nehmen. Diese dagegen entwickelnsich in einer anderen Reihe von Thieren auf Kosten der Ernährungs-und Fortpflanzungsorgane, und zwar zunächst das Dewegungsspstem,so daß alle drei, Ernährungs-, Fortpflanzungs- und Bewegungssystem