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Neuntes Kapitel. II. Sorge für die Zungen.
erhält dann der Stock eine neue Königin, während die alte stirbt.Diese neue Königin verläßt Mitte Sommers in Begleitung der Droh-nen die Wohnung, begattet sich mit einigen im Freien und kehrt nunbefruchtet in den Stock zurück; hier wird sie dann mit noch größererAufmerksamkeit behandelt, gestreichelt mit den Fühlern, beleckt mit derZunge, und von allen Seiten bietet man ihr Honig zur Nahrung an.Sechs und vierzig Stunden nach der Begattung legt dann dieneue Königin die ersten Eier, und fährt damit ununterbrochen bis zumersten November etwa fort; von nun bis in den April pausirt sie, dochim April beginnt, bei heiterer Witterung, wo die Arbeiter schon ein-sammeln, das Eierlegen wieder. Nun werden auch, nachdem sie vor,her lauter Arbeitsbienen gelegt hatte, gegen 2000 männliche Eier ge-legt, aus welchen in der bestimmten Zeit die Drohnen hervorgehen.Von hier bis zur Begattung mit der Königin leben sie ungestört imStock, fliegen nach Nahrung aus, kehren wieder, bauen aber keineZellen, und sammeln keinen Honig, verrichten überhaupt kein anderesGeschäft, als das sich auf ihre eigene Erhaltung beziehende der Ernäh-rung. Zur Zeit der Begattung, die in den Zuni fällt, fliegt danneine große Schaar derselben mit der Königin aus, und kehrt zurück,nachdem sich die Königin mit einer Drohne begattet hat. Dies eineMännchen scheint dafür den Tod zu leiden, denn nach Huber undAudouin bleibt der abgerissene Penis noch eine Zeit lang in derScheide des Weibchens, namentlich in dem Hals des Samenbchälters,hängen. Die übrigen Drohnen bleiben bis zum August, nachdem auchdie übrigen jungen Königinnen, welche die späteren Schwärme anfüh-ren, von ihnen befruchtet sind, ruhig nach alter Weise im Stock, undnun beginnt die allgemeine Drohnenschlacht, in welcher innerhalb dreierTage alle Männchen von den Arbeitern umgebracht und zum Theilnoch lebend aus dem Stock geworfen werden. In diesem Zustandeohne Männchen, nur mit einer, aber befruchteten, Königin versehen,auch ohne Brüt für Männchen und Königinnen, überwintert derStock, sich und die jungen Maden der Arbeiter von den eingcsammel--ten Vorräthen ernährend. Jetzt ist es dann auch Zeit, den altenStock abzustoßen, die Bienen zu tödten und sich ihres Honigs zu be-mächtigen.
Die Instinkte, welche die Dienen wahrend ihres Lebens cntwik-keln, sind zum Theil höchst merkwürdig umd überraschend. Die An-hänglichkeit an die Königin, ihre unendliche Sorgfalt für deren Wohlund Gedeihen, die Liebe und Selbstaufopferung, mit welcher sie derjungen Brüt warten, haben von jeher die allgemeinste Bewunderung