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Dritter Abschnitt. Physiologie.
das alte Männchen und Weibchen wohnen. Im Umfange dieser Zelleliegen viele kleinere für die Soldaten, und wieder in dcrem Umfangeandere für die Eier und Verrathe, welche aus eingesammelten Gummi-tropfen, Holzstückchen und anderen Substanzen, die sie auf ihren vor,hecrenden Strcifzügen gefunden haben, bestehen. Ist dagegen dasgroße Gewölbe vollendet, so wird die Spitze des ersteren Kegels abge-tragen, das Ganze oberhalb der beschriebenen Zellen geebnet, und hier-auf, wie an den Wänden des Gewölbes, neue Zellen für die Verratheangelegt. Zu diesen höheren Zellen führen Gänge, welche an der Wanddes GcwUbeS hinauslaufen, bisweilen auch förmliche Brücken, die vonder Ebene über der königlichen Zelle bis an die innere Wand des Ge-wölbes hinaufgeführt werden. Das Material, woraus sie dies Gebäudeaufführen, ist Erde und Lehm, welche sie künstlich mir einander zu ver-binden wissen; an der Sonne trocknet es dann bald so aus, daß eseine harte, feste Decke bildet, welche mit der Zeit sich mit Gras be-kleidet, und einen Menschen recht gut tragen kann; die inneren Zellen,besonders die für die Eier und Verrathe, werden auch wohl aus Holz-spänchcn, die mit Gummi an einander geklebt sind, errichtet. Allediese Zellm stehen durch kleinere Eingänge mit einander in Verbin-dung, ebenso führen mehrere Oeffnungen aus den nachstgclcgcncnRäumen in die mittlere, königliche Zelle. Die Zugänge von außensind nichl sichtbar, sie liegen im Grunde des Hauses und laufen inGange aus, welche ebenfalls unter der Erde fortgehen und nur an ent-fernten Punkten sich auf der -Oberfläche öffnen. An diesen erscheinenerst die aus- und eingehenden Termiten.
Der Hergang des inneren Staatenlebeuö ist endlich dieser: Wennam Ende der heißen Jahreszeit sich die gemäßigtere Temperatur derNegenzeic durch lauere Winde verkündet, verlassen die jungen, im Ge-bäude ausgeschlüpften Männchen und Weibchen die Wohnung, underscheinen nun auf der Oberfläche der Erde. Hier schwärmen sie inungeheuren Schaaren neben einander umher und begatten sich. Einsolches Paar nehmen dann die geschäftigen Arbeiter, führe» sie insHaus zurück, und sperren sie irr die mittlere Königszclle, die Zugängederselben verkleinernd und bewachend. Durch diese Oeffnungen erhal-ten dann beide Gefangenen alle Nahrung, die sie bedürfen. DasMännchen muß nun, bald nach der Begattung, wie bei allen Kerfen,sterben, aber das Weibchen schwillt seit dieser Zeit zusehends 'an, ver-möge der sich entwickelnden Eier. Dieses Anschwellen dauert fort, sodaß zur Zeit des ersten Eierlegens ihr Hinterleib 1500 bis 2000 Malgrößer, als der übrige Körper, ist. Wahrend dieses Anschwcllcns reißen