Zehntes Kapitel.
Die Kerfe im Verhältniß zu den übrigenOrganismen.
§. 301 .
§)aß am Ende alle thierischen Körper ihren Nahrnngsstoff aus derPflanzenwelt herholen, ist eine ausgemachte Thatsache. In keinerThierklasse aber wird uns dies deutlicher, als bei den Kerfen. Wirhaben schon früher, wo von den Nahrungsmitteln der Kerfe die Redewar, gesehen, daß die vegetabilische Substanz für den größten Theilderselben Nahrungsftoff sei, ja daß ganze Ordnungen, wie die Schmet-terlinge, vom ersten Augenblick ihres Daseins an, nichts anderes alsPflanzcnstosse und Säfte verzehren. Bei der unendlichen Menge derverschiedenen Arten und der großen Zahl von Individuen einer Artkönnte ein solches Verhältniß der ganzen Pflanzenwelt am Ende ver-derblich werden, wenn nicht zugleich viele Insekten auf dieselbe Weisedas Gedeihen der Pflanzen beförderten. Indem wir diese Beobach-tung zu machen genöthigt sind, erkennen wir zugleich das wahre Ver-hältniß der Kerfe zur Pflanzenwelt, und während wir dieses entdecken,sehen wir zugleich auch den eigentlichen Zweck, den die Natur in ihrergroßen Ockonomie durch die Kerfe verfolgt. Er ist ein doppelter,nehmlich einmal der Ueberhaud nehmenden Wucherung der Pflanzeneinen Damm entgegenzusetzen, und zugleich, da ein solches auf Ver-tilgung abzielendes Verhältniß leicht ausarten könnte, für das Fort-bestehen der Pflanzenwelt Sorge zu tragen.
Der erste Zweck wird durch diejenigen Kerfe erreicht, welche vonder vegetabilischen Faser ihre Nahrungsmittel hernehmen; also durchsolche die Blätter, Blumen, Holz, Früchte und deren Samenkörnerverzehren. Die genannten Organe sorgen für die Fortdauer der Pflanze