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Allgemeine Entomologie / von Hermann Burmeister
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Dritter Abschnitt. Physiologie.

Sehr viele, ja man kann wohl sagen die meisten Blumen sindmit Nektardrüsen, Ncktaricn, versehen, welche eine honigartigeFeuchtigkeit absondern, nach welcher viele Kerfe und besondersdie Schmetterlinge und Bienen sehr begierig sind. Um diesen Honigsich zu verschaffen, fliegen die genannten Kerfe theils am Tage imSonnenschein, theils in der Dämmerung von Blume zu Blume, lassensich auf jeder nieder und saugen hier eine Zeitlang den frisch abgeschie,denen Saft ein. Es kann nicbt fehlen, daß sie mir ihrem rauhen,überall behaarten Körper den aus den Antheren hervorgequollenenStaub abwischen, und so mit der Narbe in Berührung bringen, dennbeide Organe müssen oft von dem besuchenden Insekt erst aus demWege geräumt werden, ehe es zu den Nektardrüscn gelangen kaun.Bei diesen Besuchen wollen nun Beobachter wahrgenommen haben,daß die Kerfe in der Auswahl der Blumen sehr streng sind, und zugleicher Zeit auch nur die Blüthen einer und derselben Pflanze besu-chen. Hierdurch wird nach Ch. K. Sprengel die Befruchtung derBlumen erst recht bedingt, denn in den allermeisten Blumen sind Amtheren und Stigma nicht in gleicher Reife begriffen, sondern bald istdieses, bald jene früher reif. Da nun die Kerfe nur die Blumeneiner Art besuchen, so gerathen sie bald in solche mit reifen Antheren,bald in solche mit reifen Stigmen, und vermitteln, indem sie reifenPollen auf die reife Narbe bringen, die Befruchtung. Auch sollen,wie dies schon Kölrcuter bemerkt hatte, und aus späteren Beobach-tungen sich noch mehr ergeben hat, die meisten Blumen nicht durchihren eigenen, sondern nur durch den Pollen einer anderen Pflanzebefruchtet werden können, grade so, wie die zwittrigen Schnecken sichebenfalls gegenseitig, nicht aber sich selbst befruchten; und wenn diesesGesetz durchgreifend ist, was indeß nicht der Fall zu sein scheint, sokönnen nur die Insekten das Hülfsmittel sein, durch welches die Naturden Zweck der Blumen, die Befruchtung und Stimmbildung, erreicht.

Wenn nun auch in manchen Fällen durch andere Hülfsmittel,namentlich durch Wind und Regen, welche beide die Blumen crschüt,lern und so Pollen auf das Stigma bringen, die Befruchtung erreichtwerden kann, so scheint doch in sehr vielen diese auf keine andereWeise, als durch Kerfe herbeigeführt werden zu können. Dies istder Fall bei den diözischen Pflanzen, namentlich bei unseren zeitig imFrühjahr blühenden Weiden und Pappeln. Bei ihnen sind wieder diemännlichen Blumen die früheren, die weiblichen die späteren; beideenthalten Ncktarien, und werden deshalb von Dienen und Zweiflüg-lern häufig besuche. Auf diese Weise nur können die weiblichen Dlu-