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Der gemeine Stahr.
scharfund deutlich sprechen, behält Arien unhLieder-Mclodien ziemlich gut, und Zorn hatte einen derdas Lied: Was Gott thut, das ist wohlgethan garartig pfiff. In der Nachahmungssucht, ja auch inpoßierlichen Gebcrden, ist der Stahr ein wahrerAffe. Er ahmt die Flöte des Schauers nach, gacktwie eine Henne, kräht wie ein Hahn, und versuchtbald diesen bald jenen Laut nachzuahmen. Abersehr vergeßlich ist er auch, man muß ihn seineLection oft wiedcrhohlen lasten, wenn er nicht baldwieder so unwissend und ungeschickt wie zuvor seynsoll. Gern mischt er zuweilen indas, was man ihngelehrt hat,etwas von seiner eigncnCompcsttion ein,das freylich keinen großen Meister verräth. InderMauserzeit, der gewöhnlichen Vacanz unsrer gefie-derten Tonkünstler, schwitzt er vollends viel aus,und man muß ihm nachher wieder ins Geleise hel-fen. Er ist ungemcin zuthätig und gesellig, undwird allmählich ein so treuer Freund vomHausc.daßerdasselbe,selbst wenn es ihm vollkommen frey steht,nie wieder verläßt. Uns selbst ist ein Stahr bekannt,der fast immer der Frau vom Hause aufder Schul-ter saß, mit ihr überall herumging, und nie fortverlangte. Gar oft liebkosetc er sie aufs zärtlichste,