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Die Noachide in zwölf Gesängen von Bodmern / [Johann Jakob Bodmer]
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Seite
73
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Dritter Gesang.

7r

Aber das schöne Gewebe von nahen Hofnungen wurdeDurch die Missethat Einer, nur Einer Stunde zerrissen;

Von mir gehet kein männlicher Stamm zu künftigen Altern,Niemand in dem ich immerhin lebte, wann meine GebeineSchlafen, der Hymnen dem Heiligen sänge, der ewig gelobt sey?

Sem versetzte: der ist nicht der Vaterfreuden beraubet,

Dem der Himmel wie dir die Töchter gegeben, den AusbundWeiblicher Tugend, geschmückt mit seinen theuersten Gaben,Sanstmuth uudHuld undAdel undWeishcit, dem männlichenVorrecht.Diesen Kran; von unschuldige» paradiesischen BlumenBanden in einen Gebund wir oft in Gedanken zusammen,

Als den kostbarsten Schmuck, den wir zu denken vermochten,

Und itzt sehen wir ihn in der schönsten Blühte, noch schöner,

Als wir ihn denken konten; wir sehn, wie er würdige VäterEinem Volke verspricht, das von solchen Müttern gebohrenAuch von ihnen die Saat der edelsten Tugenden auffass't.

Nimmer sollen die Töchter in unsern Augen gering seyn;

Was kann höher den Wehrt der weiblichen Tugend erheben ,

Als daß Gott sie so würdigen will, den Mann, den Gerechten,

Der das Unrecht vergütet durch seinen rechtfertigen Wandel,

In dem weiblichen Schooß mit menschlichem Fleische zu kleiden?Wie, wenn die Würd' er einer von deinen Töchtern bestimmt hat lDiese Hofnung, der Hofnungen schönst', ist dir nicht verschlossen.

Also Sem; und er drang mit der Red' in Siphas Gemüth ein,

Und erfüllt es mit blitzendem Licht; er sagte zufrieden:

Deine Worte bekennen durch ihren göttlichen InhaltDeines Gesichts gottseligen Ernst, und das tiefe VertrauenAuf den Sohn der Verheißung in deine Seele gepffanzet,,

Der soll der Inhalt seyn von unsern göttlichsten Reden.

O! wie wird mein Herz in mir flammen, wie wird es gen HimmelHüpfen, wenn Noah, der Mann nach dem Herzen Gottes, der Hörer

E; Seiner