Sechster Gesang. izz
Möchte vergäng'icher seyn, und werden was er zuerst war?Bleibt nur der Geist unvergänglich < die bessere Helfte des MenschenLebet, so fürchtet den Tod des Staubs nur ein feiges Gemüthe.Aber es kann von dem Essen der Frucht nichts Böses entstehen,
Da sie so schön, und so gut ist, vom Guten entstehet nur Gutes.Dacht ich, es laurte der Tod >» diesem verbotenen Obste,
Adam, so wollt ich dich nicht zu meinem Gesellschafter wünschen,Daß du mit mir die ewige Nacht, die Hülle des Staubes,Theiltest. - - Das ist nicht der Tod, was ich fühle; seitdem ich gekostet,Fühl ich vielmehr ei» erhöhctcs Leben die Augen geöfnet,
Neue Hoftiungen, neues Vergnügen vom ftiusien Gefühle.
Alles was meine Sinnen bisher in Wollust gewiegt hat,
Dünket mich ohne Geschmack zu seyn. Indem sie so sagte,Wirkte die Frucht verkehrt in ihren benebelten SinnenFiebrische Hitz' und schwindljchte Träume, wie nektarner Most wirkt.Schäumend der Mund, die Stirne glühend verfolgt sie die Rede:Adam, ich fühle die Güte des Obstes, die Glieder arbeitenIhre Verwandlung in mir, was menschlich in mir ist, verschwindet,Flügel sind meinem Geiste gewachsen, da schwimm ich durch Wolken,Schon bin ich über die Höh', die der Adler erstieget, gestiegen,Schon in olympischen Sphären, ich flieg ein Gott mit den Göttern.Aber du kannst mir nicht nachfliegen, dich ziehet der StaubballNieder zum Boden, ich seh dich da mit den Sterbliche» kriechen.
Eva sprach so, und hielt die schwindlichten Bilder für Wahrheit»So sehr hatte die Sinnen die falsche Frucht ihr bezaubert.
Aber itzt unterdrückte das Gift die Geister des Lebens,
Da sie mehr sprechen wollte, so starb die Red auf der Zunge,
Ihr erst funkelndes Augenpar sank in nächtliche Schatten;Tödllichcs Blaß bedeckte die Lilien und Rosen der Wangen,
Frost lief über das Antlitz, und Schweiß, sie athmete mühsam.
Jtzo verkroch sich ihr Leben im innersten Winkel des Herzens;
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Aller