158 Die Noachide.
Wählet er mich zum Opfer , so ist es vorzügliche Liebe,
Die mich ins wahrere Leben vor meinen würdigern aufnimmt.Schon hat mir der Himmel die schönste Gabe gegeben,
Welche der Fluß der Stunden in seinem Schooß für mich hegte,
Da er euch Dreye zu mir gebracht hat, den Abdruck, die LiebeMeiner verstorbenen Freundinn, itzt meine theuerste Liebe.
Für mich liegt nichts neues verwahrt in der Zukunft; das BesteWäre nur wiederholet, es wären genossene Freuden,
Die ich genieß', indem ich auf euerm Angesicht ruhe,
Oder von euern Lippen die sanften Töne vernehme.
Hat die Erde noch Werth für die den Himmel recht schätzen,
Wo uns die Ruh in Lauben von Amaranthus erwartet,
Nektar aus Perlen funkelt, und Engel zu uns sich gesellen;
Wo mich die Sehnsucht nach euch, in den Armen Jemimens gelindert,Eine Minute lang hält? Denn, o wie dünn ist die ScheidwandZwischen Leben und Tod i der Tod berühret das Leben ;
Sinds Jahrhunderte hier, so sind es droben Minuten.
Ey denn! betrübet euch nicht, wenn ich gern werbe, was die ist,Welche nun himmlisch ist, und vor kurzem war, was ich noch bin;Die in der Engel Gesellschaft mich wünscht und nach mir sich umsieht.
Milka sprach so. Wie stark die Töchter, wie tapfer sie rungen,Brach doch ein Bach von Thränen nach kurzem Zögern die Schleuste.Aber bald wusch sie Debora von ihren nelkigten Wangen:
Und, o vortrefsiiches Herz, so sprach sie, du kanst uns nicht tadeln,Wenn wir in Wehmuth zerfließen, daß wir die Mutter verlieren,Die uns so mütterlich liebt, die unsere Tritte behütet,
Ohne die unser Leben der leitenden Stimme beraubt ist!
Sollte der schwachen Natur verwehrt seyn in Thränen zu schmelzen?Sollten der männlichen Tugend die weichen Thränen nicht anflehn?Zwar wir erkennen die Gutthat des Todes, der seine GerechtenIn ein besseres Leben verpflanzt; wir müssen die Todten
Seli-