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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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mir? So sie nur mir als einem Arzt Genossen wären, sie sollten schon Be-scheid finden. Aber was half es ihm, dass er nur wollte als Arzt angesehenund beurtheilt werden? Sein Name war anderen Richtern anheim gefallen,selbst unter seinen Fachgenossen, und bis auf den heutigen Tag stehen seineSchriften unter den Heterodoxen auf der hiesigen Universitätsbibliothek.

Auffallend ist es immerhin, dass die religiösen Anfechtungen und Ankla-gen von den Anhängern des alten sowohl als des neuen Bekenntnisses aus-gingen. Dieses ist aus der eigenthümlichen Stellung, welche Th. zwischenbeiden einnahm, zu erklären. Er war in dem alten Glauben erzogen undverblieb dann, wie es scheint, bis zu seinem Ende; wenigstens hat er sichnie äusserlich davon losgesagt 152 ). Aber seiner Gesinnung, seinem Beginnenund Gebaren nach lenkte er ganz in die neue Richtung ein. Auch hatte erdieses unverholen, und die Verfolgungen, welche die Stifter und Bekennerder neuen Lehre zu dulden hatten, stellte er denen zur Seite, die ihm wider-fuhren.Ich werde, sagt er 153 ), den Luther sein Ding lassen verantworten.Wer ist dem Luther feind? Eine solche Rotte ist mir auch verhasst. Undwie Ihr es mit ihm meint, also meint ihr es auch mit mir; das heisst demFeuer zu, du darfst auf die Laugen nicht warten. In seinem Sendbriefe andie Herren von Nürnberg heisst es 134 '):Dieweil diese löbliche Stadt aus Kraftdes Evangeliums die Wahrheit zu beschirmen, und auch die, so die Wahr-heit öffnen, liehen, Statt und Platz reichen und geben Wollen mich sol-cher evangelischer Kraft nicht entsetzen. Denn je mehr die Wahrheit ge-meldet wird, je mehr sie die Schlangen zu hindern fleissigen.

Vielleicht bezieht sich auf diese seine Gesinnung die Angabe, dass er,der Religion wegen, vom Reformator Basels aufgenommen und dem dortigen

152) Ob Th. als Katholik gestorben, ist schwer zu ermitteln. Die zuverlässige Ver-sicherung von Huser (in der Vorrede zu seiner Ausgabe) bezieht sich vielleichtauf die Worte im Testamente des Th.:Man soll jhn, in der Pfarrkirchen, wiealt breucliig, besingen (Murr II. 265.); allein jenes Instrument wurde von einembeweybet Clerik aufgesetzt.

153) Vorrede zum Buch Paragranum. Th. II. 16.

154) Chir. Sehr. S. 679.