und befahl seinem Gehülfen Bonifacius Wolfhard in Deutscher Sprache zutaufen 188 ).
Wenn nun Th. durch den Gebrauch der Muttersprache einem Bedürf-nisse der-Gegenwart entgegen kam, so schien er doch bald durch sein übri-ges rücksichtsloses Verfahren die erlaubten Grenzen zu überschreiten. EinZeitgenosse sagt desshalb von ihm Folgendes 18 *): “Derselbige lehret zu Basel ,als der Religion zweytracht der Hohen Schul wesen schon zerstöret hat, inTeutscher spraach, auff sein Manier öffentlich die Artzney, der Galenischengantz widersinnig, darumb er auch den Avicennam, ein allen Scribentcn, inder Universität verbrennet haben soll”. Letztere Angabe wird durch die ei-genen Worte Th’s bestätigt 185 ): “Ich hab die Summa der Bücher in SanctJohannis Feuer geworfen, auf dass alles Unglück mit dem Rauch inn Luftgang”.
Er aber achtete keine andere Rücksicht als die, seine Zuhörer zu einerfreien, selbstlhätigen Erkenntniss zu bringen und von jedem mechanischenNachbeten zu entfesseln.- “Was ist Höheres, ruft er aus 18S ), und Löbliche-res an einem Auditore uryl Discipulo dann dass er in einer weichen Schalenliege, die da nicht erherte, bis er seiner Disciplin gewachsene Flügel er-langt hab”.
Seine Bemühung war indess nicht bloss theoretischer Art; sie griff viel-seitig in die Ausübung, in das Leben ein. Ihm galt als Motto 187 ): “Leh-ren und nicht Thun , das ist klein, Lehren und Thun , das ist gross undgantz”. Da nun aber gerade in der Heilkunde jedes eigenthümliche, von derallgemein gebräuchlichen Weise abweichende Thun die Andern in der her-
183) M. Lutz Geschichte des Ursprunges der kirchlichen Reformation zu Basel . B.1814. 8.
184) Wurstisen B. 7. Cap. 18.
185) Vorrede über das Buch Paragranum. Th. II. S. 11.
Hierin war ihm Luther vorangegangen, welcher d. 10. Dec. 1520 öffentlichvor den Stadtmauern Wittenbergs die Bulle des Pabstes und die Bücher derDecretalen verbrannt hatte.
186) Paragrani Tr. 1. Th. I. 22.
187) Von den Imposturen. Th. I. 151.