83
druck Th’s einen Mangel an wahrer Bildung und Humanität verrathe, eherzu seinen als zu seiner Gegner Gunsten entschieden werden, und eben soder Vorwurf, dass er keine gelehrten Studien gemacht und sich der DeutschenSprache bedient habe, weil er der Lateinischen nicht mächtig gewesen 3 '73),in Nichts. zerfallen.
Seine Kenntnisse ruhten auf einer breiten Basis; aber er wollte nichtmehr scheinen, als wozu er sich berufen glaubte. Einmal versuchte er einenmedicinischen Vers Ovid’s in einen andern, seinem Sinne genehmem, umzu-setzen und sagt: Darumb so ich ein Poet wäre, der ich dann nit einer bin,wollt ich den Verss anders machen; und dann, nachdem er die Aenderungvorgeschlagen: “Der einen bessern machen kann, der mach ihn” 3 ? 4 ).
Die Dunkelheit, die Unbehiilflichkeit seiner Deutschen Ausdrücke rührthauptsächlich von der geringen Entwicklung her, die ihnen damals, besondersin seinem Geburtslande, zu Theil geworden. Er ringt mühsam mit der Sprache;er sucht sie neu zu gebären, sich und seinen Bedürfnissen zuzuziehen undanzuschmiegen; wobei nicht zu verkennen ist, dass er oft das Vorbild der al-ten Sprachen vor Augen hatte. Sicher würde ihn auch nicht Oekolampadius,der mit der klassischen Literatur vertraut war 37$), zum Lehrer, ohne dieseKenntniss, vorgeschlagen haben; ganz abgesehen davon, dass, wie Melanchthonselbst äussert 376 ), jene in der Zwietracht geborne Zeit den humanistischenStudien nicht günstig war.
373) Conr. Gesner Biblioth. univers. sub voce Th. — Ueber diese ungegründeteNachrede hielt sich schon frühe auf Gerardus Dorn, Philosophiae TheophrastiCollectanea. Basil. 8. ohne Jahrszahl, gleich vorn in der Apologie. — M. vgl.Freher Theatrum T. II. p. 1226.
374) Nämlich statt “tollere nodosam nescit medicina podagram” in “nescit tartareamRoades (Rossärzte) curare podagram”. M. vgl.: Von d. Tartar. Krankh. Cap. 19.Th. II. 329.
Darüber bemerkt Tycho Brahe (Epistol. astron. L. 1. Uranib. 15-96. 4.p. 193.): Theoplirastus per Roades (suo more ludens in vocabulis) rüdes et in-expertos medicos intelligens.
375) He yd Melanchthon und Tübingen . Tüb. 1839. S. 34.
376) In der Vorrede zu der ersten Ausgabe seiner Werke (1542): fatalis discordia etmea studia conterruit. In der Ausgabe von 1562 findet sich diese Stelle nicht
11 *