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So viel oder so wenig- auch Th. den heroischen Arzneien zugethan war,so verkannte er doch nicht, dass es auch Iiülfsmittel gebe, die nicht in Re-cepien können verschrieben werden. Er sagt 581 ): “In der Natur ist diegantze Welt ein Apotecken, und nit mehr dann mit einem Dach bedeckt.Nur einer führt den Mörsel, so weit die gantze/Welt geht”. “Es liegt nit amleib, sonder an der krafft. Kann die Sonn durch ein Glass scheinen und dasFeuer durch den Ofen gehn, und beider Leib bleibt draussen: So kan auchder Leib sein krafft in die weilte gehn lassen 582 ). “Sagt mir eins, ist die Artz-ney allein in den Kreultern, Hollz und Steinen, und nit in Worten? Wirdjhm geben den Krancken durch Gebett gesundt zu machen, lass es ein gutpurgation sein. Wird es jhme gegeben durch Fasten, lass es ein gut con-fortation sein” 583 ).
Wer die Heilkraft der Natur und das Selbslerhaltungs-Vermögen desOrganismus kennt, wird den einfachen und gewohnten Bedingungen des Le-bens unter allen Umständen ihr Recht geltend machen und der Diät immerdas Wort reden. Darum braucht wohl kaum bemerkt zu werden, dass Th.sie nicht vernachlässigte, sondern vielmehr cultivirle. Er sagt: “Ein Artzt inder Diät soll die Bereitung ordnen” SS*). Speiss und Trant über die Gabegenossen, werde zum Gift; das beweise der Ausgang 585 ). Die Ueberfüllungmache die Natur unwillig, um so mehr, wenn sie leidend sey. Sie verlangedann um so mehr Maass, damit sie der aufgedrungenen Störung gehörigen
jhr anzeigen, so lietten wir ein groben Stieffvatter am Fabricatore, hette fürdas Fiat wol ein anders gesprochen. Mich hatt je und je verwundert an euch,das jhr die Natur in dem missbrauchen. Betrachten aber, das jhr ein under-scheid nemmend mit der Wirckung auff gantzer Haut und auff offner, das eszweyerley ist.
581) Labyr. med. Cap. 7. Th. II. 220.
582) L. IV. De orig. morb. ums. Th. I. 305.
583) Die ander Defension. Th. II. 167.
584) Paramir. L. III. De orig. morb. ex Tart. Tr. 1. Th. I. 148.
585) Die dritte Defension. Th. II. 170.
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